In dieser Episode des Podcasts 198 Land wird Kroatien fast ausschließlich durch die Brille des Fußballs und des Sommertourismus betrachtet. Gastgeber Einar Tørnquist und der regelmäßig wiederkehrende Gast Goran Zlovic tauschen sich in einem lockeren Gespräch über ihre Vorfreude auf die anstehende Weltmeisterschaft aus. Die Diskussion setzt dabei Sportbegeisterung als eine Art universellen, verbindenden Gefühlszustand voraus – besonders die Erinnerung an die Euphorie von 1998 wird als Maßstab für kollektive Erfahrung beschworen. Kroatien erscheint hier in erster Linie als Projektionsfläche für sportliche Höchstleistungen und unberührte Urlaubsidylle, wobei politische oder historische Zusammenhänge komplett ausgeblendet werden.
Zentrale Punkte
- Das Erfolgsgeheimnis Diaspora Kroatien sei vor allem deshalb so gut im Fußball, weil es systematisch Talente mit kroatischen Wurzeln aus dem Ausland rekrutiere. Diese „Diaspora-Spieler" würden früh vom Spitzenklub Dinamo Zagreb entdeckt und gefördert – ein Netzwerk, das auf der Tatsache aufbaue, dass mehr ethnische Kroaten außerhalb des Landes lebten als innerhalb.
- Die Magie des Sommers 1998 Der dritte Platz bei der WM 1998 wird als Moment rauschartiger nationaler Ekstase beschrieben, der sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt habe. Die Erzählung stellt das Turnier als reinigendes, einigendes Erlebnis dar, das nur wenige Jahre nach dem Krieg eine Art unbeschwerte Normalität zurückgebracht habe.
- Das Land als kulinarische Spielwiese Kroatien wird zuallererst als Reiseziel für Genuss charakterisiert. Der Gast empfiehlt Thunfischangeln, frische Feigen vom Markt und Meeresfrüchte. Der Tourismus-Blick ist dabei der eines Besuchers, der die lokale Lebensmittelqualität an norwegischen Supermarktstandards misst.
Einordnung
Das Gespräch lebt von der spürbaren Chemie zwischen Tørnquist und Zlovic und bietet kompakte, fachkundige Einblicke in den kroatischen Fußball – von der Kaderanalyse bis zu taktischen Tipps für die Gruppenphase. Zlovic' persönliche Perspektive als Sohn einer kroatischen Familie verleiht den Anekdoten über die emotionale Kraft der Nationalmannschaft eine authentische, nachvollziehbare Tiefe. Die Reisetipps sind konkret und vermitteln Alltagsfreuden abseits der Hotspots.
Die thematische Engführung auf Sport und Urlaub ist zugleich die größte Lücke der Episode. Obwohl die Gründungsgeschichte des Landes, der Krieg und die komplexe Nachbarschaft im ehemaligen Jugoslawien kurz angerissen werden, zielen die Nachfragen nie auf eine Vertiefung ab. Stattdessen wird die Gelegenheit, den schnell erwähnten Kriegsbeginn mit der heutigen Gesellschaft zu verknüpfen, konsequent mit Anekdoten übergangen. Die Rahmung von „Diaspora-Spielern", die aus Ländern wie Deutschland oder der Schweiz rekrutiert werden, wird als cleverer sportlicher Schachzug präsentiert, ohne die gesellschaftlichen Realitäten von Arbeitsmigration und Vertreibung auch nur zu streifen, die dieses Phänomen erst hervorgebracht haben. Der berichtende Ton bleibt durchgehend unkritisch, etwa wenn die schiere Ekstase von 1998 beschrieben wird: „Voksne menn som gråt, folk badet med klærne på i fontenene. Helt sånn ubeskrivelig, ja, ekstase" – der Sprung von der Kriegserwähnung zur Party-Stimmung erfolgt hier bruchartig und ohne jedes Einordnen.
Hörempfehlung: Für Fußballfans mit WM-Fieber und Kroatien-Reisende, die praktische Tipps suchen, eine kurzweilige Folge – für tiefere Einblicke ins Land ist sie zu einseitig.
Sprecher:innen
- Einar Tørnquist – Gastgeber des Podcasts „198 Land", selbsternannter Fan von Kroatien und Norwegen
- Goran Zlovic – Stammgast mit kroatischen Wurzeln, Experte für den westlichen Balkanraum