Vier deutsche Bundesländer nutzen bereits Software des US-Unternehmens Palantir, um Polizeidaten aus verschiedenen Quellen zu bündeln und durchsuchbar zu machen. Der Podcast beleuchtet, wie diese Technologie in den USA bei Migrationseinsätzen der Behörde ICE zum Einsatz gekommen sei – und zieht eine direkte Linie nach Deutschland. Als selbstverständlich gesetzt wird dabei, dass mehr Sicherheitstechnologie grundsätzlich ein legitimes politisches Ziel sei; die Frage, ob Überwachungsausbau überhaupt wünschenswert ist, bleibt weitgehend im Rahmen einer Abwägung zwischen Effizienz und Grundrechtsschutz.

Zentrale Punkte

  • Palantirs App navigiert zu Menschen Die ICE-App „Elite" zeige per Karte, wo Migranten mit welcher Wahrscheinlichkeit anzutreffen seien – gespeist aus Behördendaten verschiedener Ministerien und zugekauften Werbedaten.

  • Palantir-Mitarbeiter sitzen im LKA In Bayern arbeiteten Palantir-Angestellte direkt im Nebenraum des Landeskriminalamts. Ob sie auf Polizeidaten zugreifen könnten, sei nicht restlos ausgeschlossen – die Systeme seien eine Blackbox.

  • Deutschland hat strengere Regeln, aber Abhängigkeiten Ein Verfassungsgerichtsurteil von 2023 schreibe hohe Hürden vor. Zugleich könne Palantir Updates und Personal abziehen – ein politischer Hebel gegenüber der deutschen Polizei.

Einordnung

Die Episode liefert solide Recherche: Jannis Brühl hat beide deutschen Systeme vor Ort besichtigt und konkrete Details zur Funktionsweise benannt. Die Einbeziehung des bayerischen Datenschützers und der Gesellschaft für Freiheitsrechte gibt dem Beitrag ein kritisches Gegengewicht zur Perspektive der Sicherheitsbehörden.

Auffällig ist jedoch, wie der Moderator Lars Langenau das Gespräch rahmt: Die Einstiegsfrage – Überwachungsstaat oder notwendige Sicherheit? – setzt beide Optionen als gleichwertig. Die Perspektive der von Überwachung Betroffenen – Migrant:innen, politisch Aktive, Menschen, die zu Unrecht in Datenbanken landen – bleibt strukturell randständig: Sie tauchen als Objekte der Technologie auf, nicht als Gesprächspartner:innen. Dass ausgerechnet die politische Nähe der Palantir-Gründer zur Trump-Regierung als zentrales Argument gegen den Einsatz ins Feld geführt wird, verschiebt die Kritik ins Geopolitische – die grundsätzlichere Frage, ob ein solches System in demokratischen Staaten überhaupt vertretbar ist, bleibt unterbelichtet.

Hörempfehlung: Für alle, die verstehen wollen, wie Überwachungssoftware in deutschen Behörden konkret aussieht – und wo die rechtlichen Grenzen aktuell verlaufen.

Sprecher:innen

  • Lars Langenau – Moderator, Recherche-Podcast der Süddeutschen Zeitung
  • Jannis Brühl – Journalist, SZ-Wirtschaftsredaktion, Schwerpunkt KI und Tech-Konzerne