Im Februar 2026 richtete Indien den AI Impact Summit aus, der mit fast 100 teilnehmenden Staaten eines der zentralen Foren globaler KI-Politik darstelle. In dieser Episode von Interpreting India spricht Nidhi Singh mit Dr. Saurabh Garg, der eine thematische Arbeitsgruppe zur Demokratisierung von KI-Ressourcen leitete. Das Gespräch kreist um den Entstehungsprozess der Abschlusserklärung und konzentriert sich darauf, wie zwischen Staaten mit sehr unterschiedlichen technologischen Voraussetzungen ein Konsens über gemeinsame Prinzipien erzielt werden könne. Als selbstverständlich wird dabei vorausgesetzt, dass der Aufbau digitaler öffentlicher Infrastruktur, verstanden als ein mehrschichtiges, staatlich grundiertes Ökosystem, der Königsweg zu breitem KI-Zugang sei.
Zentrale Punkte
- Ungleiche Ausstattung als Kernproblem In den Beratungen sei die ungleiche Konzentration von Rechenleistung und hochwertigen Datensätzen als größtes Hindernis identifiziert worden. Die zentrale Sorge der Länder des globalen Südens sei das Risiko, von einer KI-getriebenen Entwicklung ausgeschlossen zu werden und davon nicht profitieren zu können.
- Der Plattform-Ansatz als Brückenlösung Die Initiative MAITRI solle als eine Art Brücke fungieren, die Regierungen und Forschungseinrichtungen mit den nötigen Bausteinen für KI verbinde, ohne dass jedes Land eigene Strukturen von Grund auf entwickeln müsse. Diese Plattform sei als wachsender, einsehbarer Raum für gemeinsame Ressourcen gedacht, nicht als einmaliger Akt.
- Indiens DPI-Modell als globaler Bauplan Die Grundsätze einer mehrschichtigen, teils staatlich bereitgestellten Infrastruktur nach dem Vorbild von Aadhaar und UPI hätten die internationale Arbeitsweise direkt geprägt. Entscheidend sei der Anspruch, durch gemeinsame Ökosysteme und nicht durch proprietäre Lösungen Inklusion und Zugang zu verbessern.
Einordnung
Die Episode liefert einen aufschlussreichen Einblick in die diplomatische Maschinerie multilateraler Technologiegipfel. Saurabh Garg beschreibt präzise die bewusst inklusiv angelegte Verhandlungsarchitektur, die nicht von den Interessen der KI-Führungsmächte, sondern von bilateralen Konsultationen und existenziellen Nöten der Entwicklungsländer ausging. Die konsequente Übertragung von Indiens erfolgreicher, nachgewiesenermaßen skalierbarer Strategie digitaler öffentlicher Infrastruktur (DPI) auf die globale Ebene ist ein klarer, auf Erfahrungswerten basierender Diskussionsbeitrag.
Auffällig ist, dass Fragen von Daten- und digitaler Souveränität, die bei grenzüberschreitenden KI-Ressourcen unweigerlich aufkommen, kaum behandelt werden. Garg schiebt sie mit dem Verweis auf nationale Gesetzgebung explizit beiseite – eine markante Aussparung in einer Debatte, die auf geteilte Infrastruktur abzielt. So entstehe der Eindruck einer technokratischen Machbarkeitserzählung, die potenzielle geopolitische Kontrollkonflikte ausklammert. Zudem bleibt die geäußerte Hoffnung auf eine Mischung aus „Impact Funding" und Marktmitteln sehr unkonkret. Das Gespräch gerät an den kritischsten Stellen, etwa bei harten politischen Fragen oder dem Finanzierungsmechanismus, ins Allgemeine. „This is an issue that we directly didn't discuss in the working group", räumt Garg in Bezug auf Datensouveränität ein, was die bewusste Ausklammerung politischer Bruchlinien zugunsten des Konsenses verdeutlicht.
Sprecher:innen
- Dr. Saurabh Garg – Secretary, Ministry of Statistics & Programme Implementation; ehemaliger CEO von UIDAI (Aadhaar)
- Nidhi Singh – Associate Fellow, Technology and Society Program, Carnegie India (Host)