Der Film „Rose“ von Markus Schleinzer wird hier als Meisterwerk über die Freiheit besprochen. Die Analyse liest den Film nicht als historische Rekonstruktion des Dreißigjährigen Krieges, sondern als ein Werk, das direkt in die Gegenwart spricht. Die zentrale Annahme sei, dass der Kampf einer Einzelnen um Selbstbestimmung – außerhalb der von Gemeinschaft und Staat gesetzten Rahmen – ein zeitloses und heute besonders dringliches Thema darstelle. Der Film zeige, wie das Spiel mit sozialen Rollen eine Existenz jenseits starrer Identitätszwänge ermögliche, wobei eine Person erst dann wirklich frei werde, wenn sie sich der vollständigen Kontrolle durch die herrschende Ordnung entziehe.

Zentrale Punkte

  • Geschlecht als befreiende Performance Rose sei kein Mann und wolle auch keiner sein, habe sich aber für die „mehr Freiheit in der Hose“ entschieden. Der Film zeige, wie sie Männlichkeit durch Gestik und Sprache herstelle, um zu desertieren und Vergewaltigungen zu entgehen – eine Entscheidung für ein freieres Leben.
  • Das schurkische Subjekt und die Ordnung Rose werde zum Feind, nicht wegen ihrer Taten, sondern weil sie den Rahmen der Ordnung grundsätzlich verlasse. Sie frage nicht um Erlaubnis, sich neu zu entwerfen. Diese „schurkische Existenz“ sei der Versuch, jeder Herrschaft zu entkommen, die den Menschen als Ressource betrachte.

Einordnung

Die Analyse entfaltet eine dichte und eigenwillige Deutung des Films, die über eine reine Filmkritik hinausgeht und den Bogen zu grundsätzlichen gesellschaftlichen Fragen spannt. Die Argumentation bezieht sich konsequent auf philosophische Konzepte, etwa von Judith Butler, und leitet daraus ein vielschichtiges Verständnis von Autorschaft und Subjektwerdung ab. Die visuelle Beschreibung des Films und die Hervorhebung der schauspielerischen Leistung von Sandra Hüller und Karo Braun verankern diese Theorie im konkreten Filmerlebnis.

Die Besprechung ist stark von einem individualistischen Freiheitsbegriff geprägt, der Selbstentwurf und die Abkehr vom Kollektiv fast gleichsetzt. Dass die titelgebende Figur innerhalb des Films als Unternehmerin agiert und andere beschäftigt, um sich ihre Freiheit zu erkaufen, wird zwar erwähnt, aber nicht weiter problematisiert. Die Analyse bewegt sich in einem spezifischen Theoriegebäude und setzt dessen Begriffe weitgehend als gegeben voraus. Die explizite Abgrenzung, es sei „kein Film über Transidentität“, ist eine entschiedene interpretatorische Setzung.

Sprecher:innen

  • Wolfgang M. Schmitt – Filmkritiker und Host des Podcasts „Die Filmanalyse“