Die Episode "FCC’s New Submarine Cable Rules: National Security in the AI Era" des Lawfare Podcasts beleuchtet die jüngsten Regeländerungen der US-Federal Communications Commission (FCC) für Unterseekabel. Moderator Justin Sherman spricht mit Adam Chan, dem National Security Counsel der FCC und Leiter des neu gegründeten Council on National Security. Das Gespräch fokussiert sich auf die Verschärfung der Sicherheitsstandards für Unterseekabel, die Rolle von China als "foreign adversary" und die strategische Entkopplung von kritischen Infrastrukturen.

1. Neue Regeln sollen chinesischen Einfluss auf US-Kabelinfrastruktur verhindern

Chan erklärt, dass die neue Regel eine klare Präferenz für US-amerikanische und verbündete Unternehmen setze. Für Kabelverbindungen direkt in Länder wie China, Russland oder Iran gelte eine "presumption of denial" – eine Vermutung der Ablehnung – die nur durch "clear and convincing evidence" widerlegt werden könne. Diese Maßnahme sei eine Reaktion auf die wachsende Bedrohung durch staatliche Akteure, insbesondere China, das über wirtschaftliche und technische Mittel Zugriff auf Datenströme erhalten könne.

2. Erstmals verpflichtende Zertifizierungen für Cybersicherheit und physischen Schutz

Bislang hätten Unternehmen keine standardisierten Sicherheitsnachweise erbringen müssen. Künftig müssten alle Lizenzanträge ein eigenes Risikomanagement für Cyber- und physische Sicherheit vorlegen – unterschrieben von einem leitenden Angestellten. Die Einhaltung werde zwar selbstzertifiziert, aber mit Sanktionsdrohungen bis hin zur Lizenzentziehung abgesichert. Chan betont: "We can at any time [...] issue penalties, engage in enforcement actions up to and including revocation of the license."

3. US-Abhängigkeit von ausländischen Reparaturkapazitäten wird als kritisch benannt

Ein zentraler Schwachpunkt sei die mangelnde US-eigene Kapazität zur Reparatur von Kabelschäden. Chan warnt: "We have something like two American repair ships, which would take many years to actually repair all our submarine cables if they were damaged." Diese Abhängigkeit von asiatischen Dienstleistern – insbesondere China – werde als strategisches Risiko eingestuft. Japan und Südkorea würden daher als bevorzugte Partner für Reparaturarbeiten gefördert.

4. "Frequent Flyer Program" für vertrauenswürdige Unternehmen geplant

Für Unternehmen, die bereits hohe Sicherheitsstandards erfüllen, soll ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren eingeführt werden. Diese "Whitelist"-Lösung ziele darauf ab, Investitionen zu fördern und gleichzeitig die nationale Sicherheit zu stärken. Chan beschreibt dies als "real streamlined process that's going to save a lot of costs and promote certainty and investment".

5. Kabel als kritische Infrastruktur für KI und globale Datenströme

Chan hebt hervor, dass 99 % des globalen Internetverkehrs über Unterseekabel laufen und täglich rund 10 Billionen US-Dollar an Finanztransaktionen über diese Kabel geleitet würden. Mit dem Aufbau von KI-Rechenzentren wachse die Bedeutung der Kabel noch weiter – Unternehmen wie Meta investierten allein zehn Milliarden Dollar in neue Kabelprojekte.

Einordnung

Die Episode zeigt ein professionell geführtes Interview mit klarem Fokus auf regulatorische und sicherheitspolitische Fragen. Die Argumentation bleibt durchgehend auf Expertise und administrative Logik fokussiert, ohne auf Verschwörungstheorien oder populistische Rhetorik zurückzugreifen. Die Perspektive ist eindeutig US-zentriert und legitimiert die Entkopplung von China als strategische Notwendigkeit – ohne dabei alternative Sichtweisen oder die Position Chinas selbst einzubeziehen. Die Diskussion reproduziert damit eine hegemoniale Lesart von "national security", die kritische Fragen nach der Legitimität solcher Maßnahmen oder deren Auswirkungen auf globale Datenströme und internationale Beziehungen weitgehend ausblendet. Die Expertise von Adam Chan wird nicht hinterfragt, die Rolle der FCC als neutrale Schiedsinstanz zwischen Sicherheit und Wirtschaft wird als selbstverständlich dargestellt. Für Hörer:innen, die sich für US-amerikanische Sicherheitspolitik und regulatorische Entwicklungen im Bereich digitaler Infrastruktur interessieren, bietet die Episode einen informativen, wenn auch einseitigen Einblick.