Zusammenfassung

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN thematisiert in ihrer Kleinen Anfrage die im Mai 2026 bekannt gewordenen Fälle mutmaßlicher Wissenschaftsspionage durch chinesische Akteure, bei denen gezielt Hochtechnologien in Luftfahrt, KI und Quantentechnologien ausgeforscht werden sollten. Diese Vorfälle führen die Fraktion als Beleg für strukturelle Schwächen im deutschen Wissenschaftssystem an und verweisen auf die im Dezember 2025 beschlossene Einrichtung einer Nationalen Plattform für Forschungssicherheit mit geplantem operativen Start im Herbst 2026. Die Anfrage umfasst 22 Fragen zu Sicherheitsrisiken, Planungsstand der Plattform, organisatorischen Maßnahmen, Finanzierung sowie möglichen Instrumenten wie Meldepflichten oder Transparenzregistern. Zudem wird nach Alternativmodellen zur Forschungssicherheit in anderen Staaten gefragt. Der aktuelle Umsetzungsstand soll anhand konkreter Meilensteine, Zuständigkeiten und Ressourcen bewertet werden.

Einordnung

Die Anfrage verfolgt eine doppelte Strategie: Einerseits drängt sie auf eine zügige und transparente Umsetzung der Pläne zur Forschungssicherheit, andererseits legt sie den Fokus auf systematische Lücken im bestehenden System. Durch die Verknüpfung des aktuellen Spionagefalls mit der Nationalen Plattform wird ein narratives Frame konstruiert, das die Dringlichkeit von Schutzmaßnahmen betont – ohne jedoch konkrete Akteure oder Strukturen pauschal anzugreifen. Die Fraktion nutzt die parlamentarische Initiative, um nicht nur Informationsdefizite der Regierung offenzulegen, sondern auch eigene Gestaltungsvorschläge in Richtung verbindlicher Compliance-Regeln (z.B. Meldepflichten) einzubringen. Ob die Plattform tatsächlich als wirksames Instrument gegen Täuschungsmanöver und falsche Identitäten dient oder ob ihre Wirksamkeit durch freiwillige Mechanismen aus statt durch verbindliche Standards verwässert wird, bleibt eine offene Frage. Die Anfrage könnte die Bundesregierung zwingen, klare Positionen zu Sicherheitsüberprüfungen, internationaler wissenschaftlicher Zusammenarbeit und der Balance zwischen Freiheit der Forschung und Schutz vor Spionage zu beziehen.