Das geplante Abkommen zwischen den USA und Iran zur Öffnung der Straße von Hormus wird in der Episode vor allem als machtpolitischer Schachzug verhandelt. Rixa Fürsen spricht mit dem Nahost-Experten Aras Nathan-Keul, der eine grundlegend skeptische Perspektive einbringt: Nicht die Frage, ob die Wasserstraße wieder frei wird, stehe im Zentrum, sondern wer langfristig von diesem Deal profitiere. Der Blick richtet sich damit weniger auf die akute Ölkrise als auf die strukturellen Folgen für das iranische Regime, seine regionalen Stellvertreter und die bereits massiv unterdrückte Zivilbevölkerung. Als selbstverständlich gesetzt wird dabei die Annahme, dass die USA und Israel legitime Sicherheitsinteressen in der Region verfolgen, während das iranische Regime als grundsätzlich irrational und expansionsorientiert charakterisiert wird.

Zentrale Punkte

  • Deal stärkt das Regime finanziell Das Memorandum of Understanding könne dem Iran ermöglichen, Transitzgebühren für die Straße von Hormus zu erheben und eingefrorene Milliarden freizubekommen. Nathan-Keul argumentiert, dass dies die wirtschaftliche Not des Regimes lindere und dessen langfristige Stabilisierung bedeute, statt es einzudämmen.
  • Ideologie als unterschätzte Konstante Nathan-Keul betont, das iranische Regime sei nicht von wirtschaftlichen Interessen getrieben, sondern von einer "göttlichen Mission" zur Bekämpfung Israels und der USA. Diese ideologische DNA mache überprüfbare Zugeständnisse beim Atom- oder Raketenprogramm grundsätzlich unwahrscheinlich – ein Denkfehler, der im Westen oft gemacht werde.
  • Keil zwischen USA und Israel Das Abkommen berge das Potenzial, einen strategischen Konflikt zwischen Donald Trump und Benjamin Netanjahu zu vertiefen. Nathan-Keul beschreibt, dass Trump innenpolitisch (Midterms) und während der Fußball-WM auf Ruhe dränge, während Israel sich weiterhin gegen Angriffe der Hisbollah verteidigen müsse, was das gesamte Abkommen gefährden könne.

Einordnung

Die Episode lebt von der fundierten, differenzierten Perspektive des Gastes, der den geplanten Deal konsequent von seinen langfristigen geopolitischen Folgen her denkt und historische Vergleiche wie den JCPOA bemüht. Fürsen ermöglicht durch präzise Nachfragen eine Vertiefung, die über oberflächliche Schlagzeilen hinausgeht. Die Diskussion macht deutlich, dass diplomatische Abkommen im Nahen Osten selten nur eine Konfliktpartei betreffen, sondern stets in ein Netz aus regionalen Stellvertretern, ideologischen Projekten und innenpolitischen Zwängen eingebunden sind.

Kritisch bleibt anzumerken, dass die Analyse stark im machtpolitischen Denken verhaftet ist. Die Perspektive der iranischen Zivilbevölkerung wird zwar benannt – sie sei vom Internet abgeschnitten und leide unter Repression –, doch sie bleibt passives Objekt, dem bestenfalls ein "realistisches" Bild vom Regime gewünscht wird. Alternative Handlungsoptionen jenseits von militärischem Druck oder Regimewechsel werden nicht erwogen. Dass die Sicherung westlicher Ölversorgung als unhinterfragtes Ziel gesetzt wird, zeigt exemplarisch, wie ökonomische Interessen den Diskurs rahmen. Nathan-Keuls Bemerkung, die Menschen im Iran fühlten sich durch den Deal "verraten", fasst diese Leerstelle unfreiwillig zusammen: "Meine einzige Hoffnung ist tatsächlich, dass dieses Missverständnis, das gerade noch zu geben scheint, also dass das Regime wirklich bereit sei, Konzessionen einzugehen, [...] dass dieses Missverständnis, dass wir im Westen haben, dass damit vielleicht ein für alle Mal Schluss sein kann."

Hörempfehlung: Lohnend für alle, die eine geopolitisch versierte, kritische Perspektive auf die Folgen des Abkommens suchen und über reine Ölpreis-Schlagzeilen hinausblicken wollen.

Sprecher:innen

  • Rixa Fürsen – Moderatorin, POLITICO Berlin Playbook Security Update
  • Aras Nathan-Keul – Nahost-Experte, Nahost Friedensforum Nafo