Die Dunkelkammer deckt eine bemerkenswerte Querfinanzierung im ORF auf: Der Niederösterreichische Bauernbund, eine Vorfeldorganisation der ÖVP, habe sich indirekt an einer ORF-III-Dokumentation über Erwin Pröll beteiligt. Der Film, eine reine Geburtstagshuldigung ohne kritische Einordnung, sei von ORF-3-Geschäftsführer Peter Schöber verantwortet worden – offenbar ohne redaktionelle Abnahme und auf Basis eines erst nach der Ausstrahlung unterzeichneten Vertrags. Nikbakhsh zeigt, wie politische Nähe und intransparente Strukturen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zusammenspielen.

Zentrale Punkte

  • Ein Geburtstagsfilm als Staatsakt Der Film „Erwin Pröll von A bis Z“ sei keine Dokumentation, sondern eine unkritische Aneinanderreihung von Huldigungen gewesen. Kritische Aspekte wie Prölls Privatstiftung oder Wohnbaugelder seien komplett ausgeblendet worden. Der einzige Anlass: sein 75. Geburtstag.
  • Finanzierung über den Bauernbund Der Niederösterreichische Bauernbund habe von der Produktionsfirma die DVD-Rechte erworben und damit indirekt zwei Drittel der Kosten getragen. Diese Beteiligung einer ÖVP-nahen Organisation sei im ORF nie transparent gemacht worden.
  • Fehlende redaktionelle Kontrolle Im Abspann sei kein verantwortlicher ORF-Redakteur genannt, nur Peter Schöber als Gesamtleiter. Der Produktionsvertrag sei erst am Tag der Ausstrahlung und zehn Tage danach unterschrieben worden – die redaktionelle Abnahme scheine komplett umgangen.

Einordnung

Nikbakhsh legt akribisch recherchierte Fakten vor: Verträge, Stellungnahmen und einen Produktionsablauf, der redaktionelle Standards im ORF systematisch aushebelt. Die Recherche profitiert von der durchgängigen Transparenz der eigenen Anfragen und Antworten. Journalistisch überzeugt, wie Nikbakhsh die Details verknüpft – vom späten Vertragsabschluss über die fehlende Abnahme bis zur ungewöhnlich hohen Eigenleistung des Produzenten.

Allerdings bleibt die Struktur des Machtgefüges unscharf: Warum das Geburtstagsformat ohne Gegenstimmen akzeptiert wurde und welche Rolle die ORF-3-Redaktion oder die Führungsebene darüber hinaus spielte, wird nicht vertieft. Auch bleibt offen, was die Querfinanzierung für andere ORF-Produktionen bedeutet. Die Analyse stützt sich auf eine einzelne Episode, ordnet diese aber nicht in ein größeres systemisches Bild ein.

„Er war ein Politikertypus, der Journalisten dazu verleitet hat, bei der Nennung seines Namens immer das Wort mächtig davor zu setzen.“ – Herbert Lackner im Film, zitiert von Nikbakhsh, illustriert die unkritische Grundhaltung, die den gesamten Beitrag prägte.

Hörempfehlung: Für alle, die verstehen wollen, wie politische Nähe im ORF praktisch funktioniert und wie investigative Recherche Machtstrukturen sichtbar macht.

Sprecher:innen

  • Michael Nikbakhsh – Investigativjournalist, Host der Dunkelkammer, ehemals Profil