Der Newsletter "The Cross Section" analysiert die psychologischen Antriebskräfte der US-Außenpolitik, insbesondere das Verhalten Donald Trumps bei massiven militärischen Eskalationen im Iran und in Venezuela. Gestützt auf einen Essay von Yonatan Touval wird kritisiert, dass die US-Regierung bei Angriffen das kulturelle Gedächtnis der attackierten Nationen völlig ignoriere. Der Text argumentiert, Trumps Weltsicht basiere darauf, dass andere Menschen lediglich als staunendes Publikum für seine Handlungen existieren. Dies belegt der Text anhand einer Rede Trumps. Die zitierten Passagen, vor allem improvisierte Einschübe, offenbaren sein rhetorisches Muster. Er rechtfertigt die Operationen mit Sätzen wie: "In June, I ordered a strike on Iran's key nuclear facilities [...] Nobody's ever seen anything like it." Der Newsletter vergleicht diese Geltungssucht mit der eines hungernden Influencers, dessen Taten nur durch die Aufmerksamkeit der Massen einen Wert erlangen. Hinter dieser dröhnenden Fassade verortet die Autorenschaft eine gefährliche Unsicherheit. Unter Rückgriff auf eigene Analysen aus 2017 wird Trumps tiefe Angst dokumentiert, international ausgelacht zu werden. Diese Kränkung sei der eigentliche Motor seiner aggressiven Politik. Weil sich Verbündete zunehmend von seinem Kriegskurs distanzieren, treibe ihn dies laut Text in eine Wut, die sogar in einem NATO-Austritt gipfeln könnte. ## Einordnung Der Newsletter nutzt eine extrem psychologisierende Perspektive und erklärt globale Krisen primär durch Trumps Persönlichkeitsstruktur. Geopolitische oder ökonomische Interessen bleiben völlig ausgeblendet. Diese bewusste Reduktion auf persönliche Kränkungen vereinfacht komplexe weltpolitische Mechanismen stark. Das Framing zeichnet den US-Präsidenten als tief verunsicherten, affektgesteuerten Narzissten. Die Autorenschaft bedient sich einer klaren, meinungsstarken und teils stark polemischen Sprache. Dennoch demonstriert die Analyse präzise, wie Eitelkeiten und das ständige Bedürfnis nach Anerkennung politische Diskurse kapern. Die Ausgabe ist lesenswert für Leser:innen, die sich für die rhetorischen und psychologischen Aspekte populistischer Machtausübung interessieren, sollte aber durch nüchterne geostrategische Quellen ergänzt werden.