Blood in the Machine: It's open season for refusing AI
Eine scharfe, antikapitalistische Analyse über die zunehmende gesellschaftliche Verweigerung von Künstlicher Intelligenz und die Macht des Silicon Valleys.
Blood in the Machine
16 min readDer Journalist Brian Merchant analysiert den wachsenden gesellschaftlichen Widerstand gegen Künstliche Intelligenz. Er argumentiert, dass wir derzeit einen Übergang von bloßer Skepsis hin zu einer aktiven Verweigerung von KI erleben. Als politisches Beispiel nennt er einen Entwurf von Bernie Sanders und Alexandria Ocasio-Cortez, die ein Moratorium für den Bau von KI-Rechenzentren fordern. Dies baue auf lokalem Widerstand von Bürger:innen auf, der sich gegen die enorme Umweltbelastung der Anlagen richte.
Merchant untermauert seine These mit Beispielen aus der Wirtschaft und Kultur. Die englischsprachige Wikipedia habe KI-Texte wegen hoher Fehleranfälligkeit verboten. Der Spieleentwickler Capcom verzichte gänzlich auf generative KI, und der Verlag Hachette habe einen Roman wegen enthaltener KI-Passagen zurückgezogen. Um den Kern dieses Widerstands zu verdeutlichen, zitiert der Autor die Soziologin Tressie McMillan Cottom: "My most daring idea is to refuse."
Zudem verweist Merchant auf Umfragen, wonach die Bevölkerung KI zunehmend kritisch sehe, je mehr sie damit arbeite. Er verknüpft diese Entwicklungen mit historischen Arbeitskämpfen wie denen der Ludditen. Er stellt die These auf, dass das KI-Projekt des Silicon Valleys primär darauf abziele, Arbeiter:innen zu entwerten und Profite zu maximieren.
## Einordnung
Der Text liefert eine konsequent antikapitalistische Perspektive. Merchant gibt Kulturschaffenden und lokalen Gemeinschaften eine Stimme, während Narrative der Tech-Konzerne als reine Ausbeutungsinstrumente gerahmt werden. Diese Brille führt jedoch zu einer starken Einseitigkeit, da positive Anwendungsfälle von KI oder differenzierte Regulierungsansätze unerwähnt bleiben. Die unausgesprochene Vorannahme ist stets, dass Tech-Oligarchen böswillig und gegen die Interessen der Gesellschaft agieren.
Trotz dieser Verengung bietet der Newsletter einen wertvollen Gegenpol zum oft unkritischen Tech-Optimismus des Mainstreams. Die aufgeworfenen Fragen zur Machtkonzentration und zu den massiven ökologischen Folgen von Rechenzentren sind gesellschaftlich hochrelevant. Der Text ist sehr lesenswert für ein technologiekritisches, links orientiertes Publikum, das pointierte Kritik an Big Tech sucht und den Text als engagierte Streitschrift einordnen kann.