Worum es in dieser Episode des Deutschlandfunks geht, ist schnell zusammengefasst: den Kompromiss der schwarz-roten Koalition zum neuen Heizungsgesetz und die Frage, wie Meta, X und Co. unabhängige Forschung zu ihren Plattformen ausbremsen. Die Hosts Thielko Grieß und Ines Kaltgen verhandeln beide Themen in bewährter Manier: Sie befragen ihre jeweiligen Fachredakteurinnen, die den Stand der Dinge berichten und einordnen. Beim Heizungsgesetz wird die Debatte implizit als eine zwischen Vermieter- und Mieterinteressen gerahmt, während der Staat als Förderer klimafreundlicher Technik auftrete. Im zweiten Teil erscheinen die Social-Media-Konzerne als übermächtige Akteure, die mit ihrem Geschäftsmodell der „Aufmerksamkeitsökonomie“ nicht nur Geld verdienen, sondern auch die kritische Erforschung der eigenen Produkte strategisch behindern.
Zentrale Punkte
- Vermieter an Heiznebenkosten beteiligt Der Kern des neuen Gesetzesentwurfs sei eine neue Kostenverteilung. Künftig müssten Vermieter die Hälfte der Netzentgelte, des CO₂-Preises und der Kosten für biogene Brennstoffbeimischungen tragen. Dies solle einen finanziellen Anreiz schaffen, in effizientere Heizungen zu investieren, anstatt die steigenden Betriebskosten veralteter Systeme einfach an die Mieter:innen weiterzugeben.
- „Technologieoffenheit“ sorgt für Verunsicherung Statt der klaren Vorgabe von 65 % erneuerbarer Energie, die faktisch eine Wärmepumpe bevorzugte, setze die Reform auf „Technologieoffenheit“. Dies erlaube auch Gasheizungen mit Beimischungen von Wasserstoff oder Biogas. Da viele Details offen seien, herrsche im Handwerk großer Unmut, weil unklar sei, was man den Kund:innen jetzt empfehlen solle.
- Datenzugang für Forschung wird systematisch erschwert Forschende, die gesellschaftliche Schäden von Social Media untersuchen, stießen auf massive Hürden. Die zentrale Datenschnittstelle zur Analyse von Nutzungsdaten sei von den Konzernen teils geschlossen, teils teuer gemacht worden. Selbst der rechtlich zugesicherte Zugang über den Digital Services Act der EU sei durch monatelange, bürokratische Antragsverfahren und abschlägige Bescheide in der Praxis kaum nutzbar.
Einordnung
Das Stück leistet präzise Aufklärungsarbeit, die einem immer noch stark von Desinformation geprägten Diskurs den Boden entzieht – etwa bei der Richtigstellung, dass nie eine Pflicht zum Austausch funktionierender Heizungen bestand. Besonders stark ist der zweite Teil, der anhand konkreter, nachvollziehbarer Beispiele ein systemisches Problem benennt: Wie die Geschäftslogik der Plattformen und ihre Kontrolle über Daten eine unabhängige Wissenschaft untergräbt. Die Recherche offenbart ein strukturelles Ungleichgewicht, das über ein bloßes Ärgernis hinausgeht und demokratische Entscheidungsfindung auf eine wackelige Basis stellt.
Unhinterfragt bleibt im ersten Teil die Annahme, dass die „Technologieoffenheit“ ein sinnvoller Weg sei. Die Bedenken der Redakteurin, dass alternative Brennstoffe wie Wasserstoff im Gebäudesektor „möglicherweise sehr teuer“ und wenig praktikabel sind, werden zwar benannt, aber nicht gegen die damit verspielte Lenkungswirkung einer klareren Regel aufgewogen. Zudem ist das Gespräch eine reine Expert:innen-Diskussion – die Perspektive betroffener Mieter:innen oder kleiner Vermieter:innen, deren Existenzangst beim Heizungstausch im Raum steht, wird nicht eingefangen. Im zweiten Teil hätte man noch deutlicher machen können, warum viele Forschende aus Angst vor juristischen Schritten der Konzerne von vornherein auf kritische Forschung verzichten: „...dann mache ich lieber ein bisschen weniger, damit ich überhaupt was machen kann“, so das indirekte Zitat einer befragten Person, das die abschreckende Wirkung dieser Machtasymmetrie auf den Punkt bringt.
Sprecher:innen
- Thielko Grieß – Host der Sendung „Der Tag“ im Deutschlandfunk
- Jule Reimer – Redakteurin im Ressort Umwelt und Verbraucher, Deutschlandfunk
- Katrin Kühn – Redakteurin im Forschungsressort des Deutschlandfunks