11KM: der tagesschau-Podcast: Nach Maduro: Wer entscheidet Venezuelas Zukunft?
ARD-Korrespondentin Jenny Barke analysiert die Machtdynamiken in Venezuela nach dem Eingreifen der USA und dem Sturz Nicolás Maduros.
11KM: der tagesschau-Podcast
29 min read1714 min audioIn dieser journalistischen Episode von „11KM“ beleuchtet Host David Krause mit der ARD-Korrespondentin Jenny Barke die politische und gesellschaftliche Lage in Venezuela nach einer US-Militärintervention und der Gefangennahme Nicolás Maduros. Im Fokus stehen die Anpassungsstrategien der neuen Interimpräsidentin Delcy Rodríguez, die wirtschaftlichen Interessen der USA und die Rolle der Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado.
Dabei dominiert in der Diskussion ein stark pragmatischer Blick auf geopolitische Machtverschiebungen. Imperialistische Eingriffe und hegemoniale Wirtschaftsinteressen werden weitgehend als realpolitische Selbstverständlichkeiten vorausgesetzt und debattiert, wodurch eine tiefere Auseinandersetzung mit der völkerrechtlichen Dimension der beschriebenen Ereignisse in den Hintergrund rückt.
### Zentrale Punkte
* **Pragmatische US-Interessen**
Barke erkläre, dass die USA nach dem Sturz Maduros einen dreistufigen Plan verfolgten. Dabei genössen die Stabilisierung des Landes und der rasche Zugriff auf den venezolanischen Ölsektor absolute Priorität.
* **Loyalität und Systemöffnung**
Die Interimpräsidentin Delcy Rodríguez werde als loyale, aber pragmatische Nachfolgerin beschrieben. Sie mache den USA strategische Zugeständnisse, um sich politisch abzusichern und Sanktionen zu vermeiden.
* **Hoffnung und Zersplitterung**
Die Opposition schöpfe neuen Mut, sei jedoch gespalten. Die mögliche Rückkehr der konservativen Leitfigur Machado berge laut Barke die Gefahr, neu gewachsene zivilgesellschaftliche Bündnisse zu verdrängen.
### Einordnung
Die Episode besticht durch eine differenzierte Betrachtung der venezolanischen Opposition, deren Leitfigur Machado nicht unkritisch heroisiert, sondern als potenziell spaltend und radikal konservativ eingeordnet wird. Problematisch bleibt jedoch die diskursive Normalisierung US-amerikanischer Hegemonialpolitik. Massive Eingriffe wie militärische Interventionen, die Entführung eines ausländischen Staatschefs oder extralegale Tötungen bei Drohnenangriffen werden als bloße geopolitische Handlungslogik hingenommen. Hegemoniale Prämissen greifen auch sprachlich, wenn das Erschließen der venezolanischen Ölreserven durch ausländische Investoren unhinterfragt als „Wiederaufbau“ gerahmt wird.
**Hörempfehlung**: Empfehlenswert für Hörer:innen, die eine detaillierte Einordnung der innenpolitischen Dynamiken und Machtkämpfe in Venezuela nach dem Regierungssturz suchen.
### Sprecher:innen
* **David Krause** – Host des Podcasts „11KM“
* **Jenny Barke** – ARD-Mittelamerika-Korrespondentin