Table Today: Wie fahren wir morgen? Mit Miles-CEO Oliver Mackprang und Opel-Chef Florian Huettl.
Wie Auto-CEOs über Mobilität sprechen: Zwischen Subventionswünschen, Marktdenken und dem Festhalten an der Autokultur.
Table Today
40 min read2135 min audioDie Episode präsentiert zwei Doppelinterviews zur Zukunft der Mobilität mit Opel-CEO Florian Huettl und Miles-Chef Oliver Mackprang. Der Diskurs wird dabei stark durch eine wirtschaftliche Brille geführt: Globale Wettbewerbsfähigkeit, Marktrealitäten und Standortvorteile stehen im Fokus der Moderation und der Gäste.
Dabei wird durchgängig als selbstverständlich vorausgesetzt, dass individuelle Automobilität – sei es im traditionellen Privatbesitz oder in städtischen Sharing-Modellen – der unverhandelbare Kern gesellschaftlichen Wohlstands und persönlicher Freiheit bleibe. Die Rolle des Staates wird währenddessen äußerst widersprüchlich gerahmt: Einerseits sollen regulatorische Eingriffe minimal bleiben und dem Markt vertraut werden, andererseits werden wie selbstverständlich gezielte Subventionen für die eigene Branche eingefordert.
### Zentrale Punkte
* **E-Mobilität und Marktrealität**
Huettl argumentiere, die Politik sei bei der Energiewende zu optimistisch gewesen. Die Nachfrage nach E-Autos hänge stark von staatlichen Prämien ab, weshalb Opel wieder flexibler auf Verbrenner setze.
* **Forderung nach EU-Subventionen**
Der Opel-Chef bezeichne europäische Produktionsregeln als wichtig für die Chancengleichheit. Er lehne Protektionismus ab, fordere aber staatliche Anreize und Privilegien für heimische Autobauer.
* **Carsharing als Marktlösung**
Mackprang erkläre, Miles wolle das Privatauto überflüssig machen. Gleichzeitig kritisiere er kommunale Regulierungen wie Parkgebühren, da diese das eigene wachstumsorientierte Geschäftsmodell erschweren würden.
### Einordnung
Das Format liefert konkrete Einblicke in die industriepolitischen Strategien von Mobilitätskonzernen, bleibt dabei journalistisch jedoch sehr distanzlos. Die Moderation überlässt den CEOs weitgehend unwidersprochen die Deutungshoheit. So bleibt der fundamentale Widerspruch, einerseits staatliche Subventionen zu fordern, aber gleichzeitig kommunale oder ordnungspolitische Markteingriffe zu kritisieren, gänzlich unhinterfragt. Ökologische Notwendigkeiten der Verkehrswende werden primär zu betriebswirtschaftlichen Variablen oder Kund:innenwünschen degradiert. Dass eine florierende Autoindustrie das unersetzliche Fundament für gesellschaftlichen Wohlstand sei, strukturiert das gesamte Gespräch als unsichtbare, nicht debattierbare Prämisse.
**Hörempfehlung**: Spannend für Hörer:innen, die nachvollziehen wollen, mit welchen rhetorischen Strategien die Automobilwirtschaft in der Transformation staatliche Unterstützung legitimiert.
### Sprecher:innen
* **Alex Hofmann** – Redakteur und Co-Host bei Table Media
* **Michael Bröcker** – Chefredakteur von Table Briefings und Co-Host
* **Florian Huettl** – CEO von Opel und Geschäftsführer von Stellantis Deutschland
* **Oliver Mackprang** – CEO des Carsharing-Anbieters MILES Mobility