Eine kleine Stadt in Sachsen-Anhalt, ein selbsternanntes "Unordnungsamt" und die Frage, wie man sich als progressive Initiativen auf dem Land gegen einen erstarkenden Rechtstrend behaupten kann. Jan von Radio Corax spricht mit Marko Kühnel, der das Unordnungsamt in Kalbe an der Milde mitgegründet hat. Im Gespräch geht es um die anstehende "Tagung im Amt" am 30. Mai 2026, die als Vernetzungsplattform für verschiedene Gruppen aus der Region dienen soll. Der Zugang zum Thema ist persönlich und aktivistisch geprägt: Es wird nicht aus einer distanziert-journalistischen Beobachter:innenperspektive gesprochen, sondern aus der direkten Betroffenheit und dem Wunsch heraus, das lokale zivilgesellschaftliche Engagement sichtbar zu machen und zu stärken. Dabei wird die Auseinandersetzung mit der politischen Rechten als ein Kraftakt beschrieben, den man gemeinsam bewältigen müsse.

Zentrale Punkte

  • Unordnungsamt als Gegenentwurf Das Unordnungsamt werde als ironischer Gegenpol zur deutschen Verwaltungslogik präsentiert, um sich dem "diffusen Durcheinander" und der "nachlässigen Nutzlosen" zu widmen. Es funktioniere in der Praxis als ein selbstorganisierter Kulturraum, der Konzerte, Lesungen und Theater biete und dadurch einen progressiven Treffpunkt im ländlichen Raum schaffe.
  • Vernetzung gegen den Rechtsruck Die Motivation für die Tagung sei der wahrgenommene "große Rechtsruck" vor der Landtagswahl. Man habe erkannt, dass die Kräfte gebündelt werden müssten, weil sich die engagierten Leute in der Region oft nur vereinzelt auf Kundgebungen oder Konzerten träfen. Das Treffen solle dazu dienen, "Sorgen und Pläne und Strategien" verschiedener Initiativen zusammenzubringen.

Einordnung

Der Beitrag von Radio Corax ordnet sich klar in ein zivilgesellschaftliches, demokratieförderndes Spektrum ein und gibt Einblick in die konkrete Arbeit gegen rechte Tendenzen abseits großer Städte. Die Stärke liegt in der Praxisnähe und der ungeschönten Darstellung von Engagement unter schwierigen Bedingungen: Ohne große Ressourcen wird ein Ort für Kunst und Diskurs erhalten. Das Gespräch zeigt, dass es in der Region Menschen gibt, die sich dem politischen Trend aktiv entgegenstellen und kreative Formen des Protests finden, wie etwa die musikalische Kundgebung gegen eine AfD-Veranstaltung.

Die Analyse bleibt jedoch stark innerhalb einer aktivistischen Eigenlogik verhaftet. Die geschilderte politische Gegenbewegung wird als lose Ansammlung von Freundeskreisen und Initiativen dargestellt, deren Strategie über das "Zusammentrommeln" und demonstrieren kaum hinaus konkretisiert wird. Wie aus dem beschriebenen, oft kraftraubenden "Dagegen-Sein" ein überzeugendes "Dafür" entstehen kann, wird angesprochen, aber nicht vertieft. Die Annahme, dass Kunst und Musik per se progressive Werte vermitteln, wird gesetzt, ohne zu hinterfragen, wie diese kulturellen Angebote tatsächlich über die bereits überzeugte Szene hinaus wirken können.

Sprecher:innen

  • Marko Kühnel – Mitgründer des Unordnungsamts Kalbe, Veranstalter und Musiker
  • Jan – Moderator bei Radio Corax, interviewt für den Sender