Die Episode untersuche die Diskrepanz zwischen den vielfältigen Leistungen von Wäldern (Klimaschutz, Wasserspeicherung, Erholung) und ihrer ökonomischen Bewertung, die fast ausschließlich auf Holzproduktion fokussiert bleibe. Anhand konkreter Projekte wie „Waldaktien“ auf Rügen, dem „Verein Trinkwasser“ im Harz und eines Friedwaldes bei Leipzig würden Ansätze vorgestellt, wie Ökosystemleistungen honoriert werden könnten. Dabei werde die ökonomische Logik als selbstverständlicher Rahmen präsentiert: Der Wald erscheine als „Lieferant“ von Dienstleistungen, die es zu monetarisieren gelte, um klimawandelbedingte Schäden zu kompensieren.

Zentrale Punkte

  • Monetarisierung von Ökosystemleistungen Die Episode stelle dar, dass deutsche Wälder neben Holz öffentliche Güter wie Klimaschutz, Trinkwasserfiltration und Erholung bereitstellten. Diese Leistungen würden ökonomisch oft höher bewertet als die Holzproduktion, blieben aber unentgeltlich, da kein Markt für sie existiere. Versuche wie „Waldaktien“ oder Trinkwasserkooperationen zeigten, dass Bürger:innen bereit seien, für diese Leistungen zu zahlen.

  • Klimawandel als ökonomische Bedrohung Es werde berichtet, dass durch Borkenkäfer und Trockenheit zwischen 2018 und 2021 Waldschäden von 15 Milliarden Euro entstanden seien. Private Waldbesitzer:innen, die 50 % des Waldes hielten, trüfen die Lasten weitgehend allein, da staatliche Förderung nur einen Bruchteil decke. Alternative Einnahmemodelle wie Friedwälder würden daher für kleinparzellige Besitzer:innen zur Überlebensfrage.

  • Kritik und Verteidigung der Bewertung Während Kritiker:innen befürchteten, dass die Bewertung von Natur in Euro und Cent deren Eigenwert ausblende und sie zum reinen Nutzobjekt degradiere, argumentierten Ökonomen, diese Methode diene dazu, „Naturferne“ Menschen von der Relevanz des Waldschutzes zu überzeugen und politische Investitionen zu rechtfertigen.

Einordnung

Die Episode überzeuge durch ihre empirische Breite: Sie verknüpfe wissenschaftliche Expertise mit der Perspektive von Förster:innen und Waldbesitzer:innen, die konkrete ökonomische Zwänge schilderten. Die Darstellung des Spannungsfelds zwischen ökonomischer Notwendigkeit und ökologischem Eigenwert gelinge ausgewogen, indem sowohl monetäre Lösungsansätze als auch deren ideologische Kritik vorgebracht würden. Dass dabei der ökonomische Rahmen selbst – Wachstumslogik, Privatbesitzstrukturen des Waldes, Marktmechanismen als Default-Lösung – kaum hinterfragt werde, bleibe eine strukturelle Leerstelle. Alternative Beziehungsweisen zur Natur jenseits des Nutzungs- und Besitzdenkens blieben unberücksichtigt. Für ein grundlegendes Verständnis aktueller Waldpolitik und deren ökonomische Fundierung lohne sich das Hören dennoch.

Sprecher:innen

  • Julia Segers – Autorin und Moderation
  • Karsten Mann – Professor für Waldressourcenökonomie, Hochschule Eberswalde
  • Ricarda Priest – Amtsleiterin Forstamt Rügen
  • Peter Elsasser – Umweltökonom, Thünen-Institut
  • Marcel Möller – Forstamtsleiter Goslar
  • Katharina Meyer Schulze – Forstwissenschaftlerin, Verein Trinkwasser
  • Kathleen Buck – Försterin, Planitzwald
  • Katja Rauchhaupt – Waldbesitzerin und Friedwald-Betreiberin
  • Bernd Hans Jürgens – Umweltökonom, UFZ Leipzig

Transkript-Länge: 27.651 Zeichen

Podcast-Informationen: Wichtige Zusammenhänge, überraschende Hintergründe, gründliche Recherchen. Täglich Neues aus Gesundheit und Ökologie, Wissenschaft und Weltgeschehen im Podcast Das Wissen. Manuskripte und weitere Informationen zu den einzelnen Folgen: http://swr.li/daswissen

Episode-Informationen: Wälder speichern CO2, filtern Trinkwasser, kühlen Städte, stärken unsere Gesundheit. Ökonomisch zählt nur das Holz. Bekämen alle Leistungen einen Wert, würde Wald besser geschützt.