Die Episode handelt von digitalen Angriffen auf Journalist:innen. Holger Klein spricht mit der Wissenschaftsjournalistin Sanaz Saleh-Ebrahimi über einen massiven Fake-Follower-Angriff auf ihre Instagram-Accounts. Das Gespräch kreist um die Frage, wie unabhängiger Journalismus auf Plattformen möglich ist, deren Infrastruktur sich leicht gegen die Nutzer:innen wenden lässt. Unausgesprochen steht im Raum, dass die Ökonomie der Aufmerksamkeit im Social-Media-Bereich ein Sicherheitsrisiko für Medienschaffende darstellt.
Zentrale Punkte
- Angriff durch Fake-Follower Die Attacke habe mit 25.000 neuen Followern an einem Tag begonnen und sich auf 500.000 innerhalb von vier Wochen summiert. Parallel dazu seien Einbruchsversuche in ihre Accounts erfolgt. Saleh-Ebrahimi sehe darin einen gezielten Versuch, sie als unabhängige Journalistin einzuschüchtern und ihre Reichweite zu zerstören.
- Machtlose Plattformbetreiber Instagram habe auf ihre Hilferufe hin vorgeschlagen, die Profile einzeln zu löschen. Zwar habe die Plattform später auch automatisiert gelöscht, doch seien sofort neue Fake-Follower nachgeströmt. Der Konzern zeige sich nicht willens, das strukturelle Problem grundlegend für seine Nutzer:innen zu beheben.
- Doxing und Hass als Methode Neben den Followern sei auch versucht worden, sich Zugang zu ihrem privaten Account zu verschaffen – offenbar, um ihr persönliches Umfeld auszuforschen. Saleh-Ebrahimi schildere die täglichen Hasskommentare als Begleiterscheinung dieser Angriffe, die den digitalen Raum für sie zu einem dauerhaft feindlichen Arbeitsumfeld machten.
Einordnung
Die Episode liefert einen präzisen Praxisbericht über eine Angriffsmethode, die im öffentlichen Diskurs zu digitaler Gewalt oft unsichtbar bleibt. Saleh-Ebrahimi schildert detailliert, wie Fake-Follower erkannt werden können und wie die fehlende Unterstützung durch die Plattform ihr Geschäftsmodell und ihren journalistischen Auftrag konkret beschädigt. Diese Innensicht von einer Betroffenen schafft Verständnis für ein technisches Problem.
Die Diskussion verbleibt auf der Ebene der persönlichen Erfahrung – strukturelle Lösungen werden nur angerissen. Etwas unkommentiert bleibt die Diskrepanz zwischen der Forderung nach mehr Journalismus auf Instagram und der gleichzeitigen Ohnmacht gegenüber der Plattform. Das genannte Gegenmittel – das Verlagern der Community auf Newsletter – bleibt eine individuelle Strategie, während die systemische Verantwortung von Meta kaum über die Forderung nach besserem Support hinausgeht. Auffällig ist, wie Saleh-Ebrahimi die Zerstörung ihres Accounts mit dem Verlust medizinischer Hilfsgelder verrechnet: „Stattdessen hat man sich dagegen entschieden, was Gutes zu tun und sich dafür entschieden, jemandem aktiv offenbar Schaden zuzufügen.“ Das illustriert die schiere Sinnlosigkeit der Attacke aus ihrer Sicht.
Hörempfehlung: Für alle, die konkret verstehen wollen, wie digitale Angriffe auf Medienschaffende technisch ablaufen und welche Schutzlücken Plattformen lassen.
Sprecher:innen
- Sanaz Saleh-Ebrahimi – Freie Wissenschaftsjournalistin und Moderatorin, u. a. zu den Themen Gesundheit und Ernährung
- Holger Klein – Host des Podcasts „Holger ruft an“ von Übermedien, dem Magazin für Medienkritik