In dieser Archiv-Episode von The Take geht es um den Kampf der Familie von Shireen Abu Akleh um Aufklärung und Gerechtigkeit nach ihrer Tötung im Mai 2022. Als roter Faden dient die Frage, welche Möglichkeiten die US-Regierung hätte, eine Untersuchung einzuleiten – und warum dies trotz Abu Aklehs US-Staatsbürgerschaft nicht geschieht. Es wird als selbstverständlich vorausgesetzt, dass die USA im Fall eines im Ausland getöteten Bürgers aktiv werden müssten, gerade wenn der verantwortliche Staat ein enger Verbündeter sei. Die ungleiche Behandlung je nach Herkunft der Opfer wird als zentrales Muster dargestellt.

Zentrale Punkte

  • Forderung nach US-geführter Untersuchung Die Familie Abu Akleh verlange eine eigenständige Ermittlung durch die USA, nicht bloß eine Zusammenfassung der israelischen und palästinensischen Untersuchungen. Die bisherige Stellungnahme des Außenministeriums sei „schädlich für die Wahrheit" gewesen, weil sie trotz fehlender Qualifikation zur Absichtsbestimmung festgestellt habe, die Tötung sei nicht vorsätzlich gewesen.
  • Rechtliche Hebel bleiben ungenutzt Die Anwältin Katherine Gallagher verweise auf das US-Kriegsverbrechengesetz von 1996 und eine beim Justizministerium angesiedelte Spezialeinheit, die in anderen Konflikten, etwa der Ukraine, aktiv sei. Dass diese Instrumente im Fall Abu Akleh nicht angewandt würden, zeige eine selektive Rechtsdurchsetzung. Auch Visa-Sanktionen oder das Einfrieren von Vermögenswerten, wie nach der Tötung Jamal Khashoggis, seien möglich, würden aber nicht erwogen.
  • Strukturelle Ungleichbehandlung palästinensischer Opfer Der Journalist Said Arikat schildere, wie die US-Regierung seit Jahrzehnten auf Israels Fähigkeit zur Selbstuntersuchung verweise – eine Antwort, die er als „abgedroschen" bezeichne. Palästinensische Journalist:innen und deren Familien erhielten nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie Opfer in anderen Konflikten; weniger prominente Fälle wie der von Ghufran Warasneh würden kaum thematisiert.

Einordnung

Die Episode zeichnet sich durch eine starke Einbindung persönlicher Perspektiven aus. Lina Abu Aklehs Schilderungen machen den Verlust und die anhaltende Frustration greifbar, während Katherine Gallagher konkrete rechtliche Handlungsoptionen benennt und historische Vergleiche zieht. Said Arikats jahrzehntelange Erfahrung als Korrespondent verleiht der Analyse struktureller Muster Tiefe. Die Beweisführung stützt sich auf dokumentierte Aussagen von Regierungsvertreter:innen und parlamentarische Vorgänge.

Die Diskussion bewegt sich innerhalb der Logik US-amerikanischer Rechts- und Außenpolitik. Dass die USA als neutrale Instanz agieren könnten, wird nicht grundsätzlich hinterfragt – stattdessen geht es darum, bestehende Instrumente konsequenter anzuwenden. Außen vor bleibt, dass die immense Militärhilfe für Israel selbst einen Interessenkonflikt darstellen könnte. Die Perspektive israelischer Behörden wird nicht direkt eingeholt; stattdessen werden deren frühere Aussagen nur in Zusammenfassungen referenziert. „Wir haben noch keine einzige Frage beantwortet bekommen", zitiert die Episode Senator Chris Van Hollen als Beleg für die Intransparenz des Außenministeriums.

Hörempfehlung: Die Episode lohnt sich für alle, die nachvollziehen möchten, wie Angehörige von Gewalt betroffener Menschen zu politischen Akteur:innen werden und wo rechtliche Hebel im US-System liegen.

Sprecher:innen

  • Halla Mohieddeen – Gastmoderatorin dieser Episode
  • Lina Abu Akleh – Nichte von Shireen Abu Akleh, setzt sich für Aufklärung ein
  • Katherine Gallagher – Menschenrechtsanwältin, Center for Constitutional Rights
  • Said Arikat – Palästinensischer Journalist, berichtet seit über 20 Jahren aus Washington