Das Wissen | SWR: Toxische Männlichkeit – Die Weltsicht der Wutmänner
SWR „Das Wissen“ beleuchtet die Radikalisierung junger Männer zwischen Online-Misogynie, rechten Narrativen und Rollenkonflikten.
Das Wissen | SWR
24 min read1702 min audioDie Episode des SWR-Podcasts „Das Wissen“ untersucht die Ursachen und Ausprägungen sogenannter toxischer Männlichkeit. Ausgehend von rechtsterroristischen Anschlägen wie in Halle wird nachgezeichnet, wie sich junge Männer in Online-Subkulturen radikalisieren. Die Dokumentation verhandelt den grassierenden Frauenhass dabei nicht als isoliertes Phänomen, sondern als integralen Bestandteil rechtsextremer Ideologien und Antisemitismus.
Im Diskurs der Sendung werden patriarchale Strukturen als gesellschaftliches Grundproblem gesetzt. Der Fokus der Betrachtung liegt auf dem Spannungsfeld, in dem sich Männer heute bewegen: zwischen dem Festhalten an traditionellen, hegemonialen Männlichkeitsanforderungen und den Erwartungen moderner Gleichstellungsideale.
### Zentrale Punkte
* **Schnittmenge mit Rechtsaußen**
Frauenhass diene als Einstiegsdroge für rechtsextreme Ideologien. Rechtspopulistische Akteure würden gezielt antifeministische Narrative nutzen, um verunsicherte Männer politisch zu mobilisieren.
* **Echokammern im Netz**
In digitalen Räumen würden sich Männer als Opfer stilisieren. Diese Communities böten Erklärungsmodelle an, die persönliche Frustration systematisch in Gewaltfantasien gegen Frauen übersetzten.
* **Widersprüchliche Rollenerwartungen**
Männer stünden unter dem Druck paradoxer Anforderungen. Einerseits werde ein empathisches Auftreten verlangt, gleichzeitig müssten sie weiterhin traditionelle Härte und Dominanz beweisen.
### Einordnung
Die Episode besticht durch eine vielschichtige Herangehensweise, die individuelle psychologische Faktoren überzeugend mit gesellschaftlichen Online-Dynamiken verknüpft. Besonders stark ist die Analyse des gesellschaftlichen Widerspruchs zwischen geforderter ziviler Gewaltfreiheit im Alltag und staatlichen Rufen nach militärischer „Kriegstüchtigkeit“. Kritisch anzumerken ist jedoch, dass der Übergang von konservativer patriarchaler Prägung hin zu rechtsextremem Terror mitunter sehr linear gezeichnet wird. Zudem werden Kampfbegriffe wie der rechte Mythos des „großen Austauschs“ zwar richtigerweise als Verschwörungsideologie entlarvt, die in den Erklärungen verwendete Formulierung der „Abendländischen Gesellschaften“ bleibt dabei jedoch als scheinbar neutraler Begriff unhinterfragt stehen.
**Hörempfehlung**: Für alle, die die Schnittstellen zwischen digitalem Antifeminismus, rechter Radikalisierung und gesellschaftlichen Rollenbildern fundiert aufgeschlüsselt bekommen möchten.
### Sprecher:innen
* **Eckhard Rahlenbeck** – Autor und Sprecher der Dokumentation
* **Susanne Kaiser** – Autorin und Forscherin zu politischer Männlichkeit
* **Markus Theunert** – Männerforscher und Diplompsychologe
* **Rafael Behr** – Professor für Polizeiwissenschaften und Kriminologie
* **Veronika Kracher** – Soziologin und Expertin für Radikalisierung im Netz