Zusammenfassung

Die Fraktion der AfD wirft der Bundesregierung vor, Organisierte Kriminalität (OK) nur unzureichend zu erfassen und zu bekämpfen. Sie verweist auf aktuelle Lagebilder, die OK als flexibel vernetzt und anpassungsfähig beschreiben, und kritisiert, dass die Bewertung staatlicher Maßnahmen weiterhin auf klassischen Kennzahlen wie Verfahrenszahlen oder Schadenssummen beruhe. Nicht erfasst würden hingegen langfristige Wirkung, Reorganisationsprozesse oder die tatsächliche Beeinträchtigung krimineller Geschäftsmodelle. Die AfD fragt daher nach zusätzlichen Kriterien zur Messung dauerhafter Schwächung, konkreten Definitionen wie einer „Zerschlagung“ eines Netzwerks und systematischer Erfassung von Nachfolgestrukturen. Zudem hinterfragt sie die Wirksamkeit von Vermögensabschöpfungen, digitale Herausforderungen für die OK-Bekämpfung und die Eignung bestehender Lagebildansätze.

Einordnung

Die Anfrage folgt einem strategischen Muster, das typisch für rechtspopulistische Politik ist: Ein komplexes Thema wie OK-Bekämpfung wird als Beleg für die angebliche Ineffizienz staatlicher Strukturen dargestellt, ohne dass implizit Lösungen angebotenen würden. Die AfD inszeniert sich als kritische Instanz, die „unbequeme Wahrheiten“ aufdeckt – in diesem Fall die Behauptung, dass staatliche Maßnahmen wirkungslos blieben oder nur Randfiguren träfen. Auffällig ist die selektive Schwerpunktsetzung: Während klassische Kennzahlen wie Verfahrenszahlen oder Haftstrafen ausgeklammert werden, werden Abwesenheiten staatlicher Daten („keine Erkenntnisse“) als Beleg für Versagen interpretiert. Die Fragen zu digitalen Strukturen und „Crime-as-a-Service“ deuten zudem darauf hin, dass die AfD gezielt moderne Kriminalitätsformen instrumentalisiert, um ihre Narrative von staatlicher Ohnmacht und technologischem Rückstand zu untermauern. Die Strategie könnte darauf abzielen, die Legitimität der Sicherheitsbehörden zu untergraben und gleichzeitig eigene Forderungen nach verschärfter Überwachung oder restriktiverer Migrationspolitik zu begünstigen – ohne jedoch konkrete, umsetzbare Alternativen zu benennen.