1. Vorwurf der intellektuellen Faulheit und mangelnden Authentizität
Es werde kritisiert, dass der Thüringer Ministerpräsident Mario Voigt bei bedeutsamen Anlässen wie der Trauerrede für einen Mentor oder der Holocaust-Gedenkfeier auf KI-generierte Texte zurückgegriffen habe. Dabei werde argumentiert, dass Politiker durch den Einsatz von KI ihre persönliche Empathie und Authentizität opferten, was als ein „Armutszeugnis“ und Ausdruck „intellektueller Faulheit“ gewertet werde. „Wer das nicht kann, ich meine, der Mann ist Politiker [...] das Wort und das strittige Wort im Dialog, das ist ja das Werkzeug eines Politikers“, so Armin-Paul Hampel.
2. Kritik an der KI-Strategie der Thüringer Landesregierung
Die Stellungnahme der Thüringer Staatskanzlei, die den Einsatz von KI als „zeitgemäßes Werkzeug“ zur Effizienzsteigerung rechtfertige, werde als zynisch zurückgewiesen. Die Sprecher behaupten, die Regierung gebe damit zu, ohne technische Hilfe nicht mehr bürgernah kommunizieren zu können. „Wenn ich dazu jetzt meinen PC brauche, um überhaupt mit dem Bürger vernünftig in Anführungsstrichen zu kommunizieren, das ist ja im Grunde genommen eine Armutserklärung“, äußert Hampel.
3. Mutmaßliche Doppelmoral beim Brandenburger Verfassungsschutz
Die Sprecher werfen dem Brandenburger Verfassungsschutz eine paradoxe Vorgehensweise vor. Während dieser in einem Sonderbericht vor KI-Desinformation warne, deute die Textstruktur des Berichts selbst darauf hin, dass dieser ebenfalls durch KI erstellt worden sein könnte. „Der Brandenburger Verfassungsschutz benutzt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit selbst KI, um vor KI-Desinformation zu warnen“, so die Behauptung von Dominik Maximilian Reichert.
4. Potenzial zur Destabilisierung der Thüringer Regierungskoalition
Reichert spekuliert, dass die KI-Affäre um Mario Voigt innerhalb der Thüringer BSW-Fraktion zu einem Aufstand führen könnte. Er legt nahe, dass ein Abwenden einzelner Abgeordneter von der aktuellen Koalition eine politische Krise auslösen könnte, was von Wähler:innen als mutig wahrgenommen werden würde. „Wenn wir hier in dieser 15 Mann starken BSW-Fraktion einige hätten, die sage ich mal den Mut haben zu sagen, wir machen da nicht mehr mit [...] dann könnte das wirklich diese Koalition zum Platzen bringen“, behauptet Reichert.
5. Differenzierung zwischen KI-Nutzung und inhaltlicher Arbeit
Die Sprecher unterscheiden in ihrer Argumentation zwischen einer unkritischen Übernahme von KI-Texten (wie bei Mario Voigt) und dem selektiven Einsatz von KI-Tools zur Recherche oder Auswertung von Anfragen, wie es beim AfD-Politiker Ringo Mühlmann praktiziert werde. Hierbei betonen sie, dass die eigene Prüfung und inhaltliche Einordnung durch den Menschen weiterhin essenziell bleibe.