In der SWR-Episode "Das Wissen" spricht Nadine Zeller mit der Politologin Nadine Godehard über die Strategie des sogenannten De-risking. Im Zentrum steht die Frage, wie Deutschland und die EU ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von globalen Lieferketten reduzieren können. Dabei wird ein grundlegender geopolitischer Umbruch als unhinterfragte Realität gesetzt. Die Diskussion verhandelt Wirtschaftspolitik vorrangig als nationale Sicherheitsfrage. Wettbewerbsfähigkeit, technologische Eigenständigkeit und der Erhalt des Industriestandortes werden als existenzielle Notwendigkeiten für das Überleben der europäischen Demokratien gerahmt. ### Zentrale Punkte * **Balance statt Abkopplung** De-risking ziele nicht auf eine vollständige Abkopplung ab, sondern auf das Erkennen und Reduzieren kritischer Abhängigkeiten. Dabei müsse Europa eine Balance zwischen Schutz und Kooperation finden. * **Widersprüche in der Umsetzung** Die Verlagerung deutscher Produktionsstätten nach China laufe dem europäischen Ziel zuwider, Wertschöpfung zurückzuholen. Es fehle an einer umfassenden Datengrundlage über zentrale Lieferketten. * **Fehlendes Denken in Ökosystemen** China und die USA dächten erfolgreich in geschlossenen wirtschaftlichen Ökosystemen. In Deutschland scheitere die notwendige Vernetzung von Forschung und Industrie oft am fehlenden politischen Willen. ### Einordnung Das Gespräch bietet eine fundierte Analyse geoökonomischer Machtverschiebungen und beleuchtet anschaulich das Spannungsfeld zwischen staatlichen Zielen und unternehmerischen Interessen. Kritisch ist anzumerken, dass die Notwendigkeit von industriellem Wachstum und globaler Wettbewerbsfähigkeit als absolut gesetzt wird. Die Sicherung von Rohstoffen im Ausland wird primär unter dem Aspekt nationaler Interessen verhandelt, während die Perspektive der Abbauländer oder ökologische Folgen unerwähnt bleiben. Die Rhetorik der Bedrohung wird normalisiert, wenn China und die USA sprachlich als „imperiale Zentren“ gerahmt werden, denen sich Europa machtpolitisch entgegenstellen müsse. **Hörempfehlung**: Empfehlenswert für alle, die die strategischen und bürokratischen Hürden europäischer Wirtschaftssicherheit jenseits tagespolitischer Debatten verstehen möchten. ### Sprecher:innen * **Nadine Zeller** – Moderatorin * **Nadine Godehard** – Politologin an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)