Roger Köppel, Chefredakteur und Moderator der Weltwoche, sendet am 6. Juli 2026 aus Moskau. Er berichtet von Interviews mit Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan und dem in Russland lebenden Schauspieler Steven Seagal. In seiner Anmoderation verbindet er die internationale Lage mit innenpolitischen Themen der Schweiz. Köppel stellt die Eskalation des Ukraine-Kriegs als unmittelbare Bedrohung dar; die Ukraine agiere als „Stellvertreter“ des Westens und führe gezielt Terroranschläge durch, während Russland nur reagiere. Zugleich prangert er aus seiner Sicht linke Fehlentwicklungen in Schweizer Städten, einseitige Medienberichterstattung und eine Spaltung zwischen Stadt und Land an. Seine Darstellung setzt voraus, dass die offizielle westliche Perspektive Propaganda sei und die Neutralität der Schweiz alternativlos schützen müsse.
Zentrale Punkte
- Eskalation des Krieges und Neutralität Köppel behaupte, der Westen treibe die Ukraine bewusst in eine Eskalation, die unweigerlich eine heftige russische Gegeneraktion auslösen werde. Er bezeichne die ukrainische Regierung als „Regime“, das terroristische Anschläge in Auftrag gebe, und warne vor einem Übergreifen des Krieges auf Europa. Daraus leite er ab, die Schweiz müsse dringend zur umfassenden Neutralität zurückkehren.
- Kulturkampf und Medienkritik in der Schweiz Köppel sehe die Schweiz durch „linksextreme“ Kräfte bedroht, die in Städten eine ideologische Umerziehung betrieben, etwa durch Transregeln, autofreie Zonen und Werbeverbote. Er werfe Medien vor, Proteste gegen die AfD zu rechtfertigen und gläubige Fußballer zu skandalisieren. Diese Spaltung gefährde den nationalen Zusammenhalt.
Einordnung
Die Episode gewährt Einblick in die Sichtweise von Gesprächspartnern aus dem Umfeld der russischen Regierung, die in westlichen Debatten kaum zu Wort kommen. Die journalistische Aufbereitung zeigt, wie dort Argumente zur Eskalation aufbereitet werden – dies kann für eine kritische Medienbeobachtung aufschlussreich sein. Allerdings übernimmt Köppel die Narrative seiner Gäste weitgehend ungefiltert und ohne Quellenkritik. Die ukrainische Regierung wird pauschal als terroristisches „Regime“ dargestellt, ohne dass dafür Belege angeführt oder Gegenpositionen eingeholt werden. Ebenso vermischt er Berichte über Anschläge mit eigenen Mutmaßungen über Auftraggeber. Die innenpolitischen Passagen zeichnen ein verzerrtes Bild, in dem städtische Gleichstellungspolitik und zivilgesellschaftlicher Protest gegen Rechtsaußen als existenzielle Bedrohung erscheinen. Wie diese Rhetorik funktioniert, zeigt ein Satz, mit dem Köppel die Lage zuspitzt: „hier tanzt man den Apokalypso auf einem explosionsbereiten Vulkan“. Die emotionale Dramatisierung ersetzt hier die analytische Distanz.
Hörwarnung: Die Folge gibt russische Regierungsverlautbarungen und Narrative unkritisch wieder und unterlegt sie mit unbelegten Terrorvorwürfen gegen die Ukraine – wer sie hört, sollte die präsentierten „Fakten“ eigenständig überprüfen.
Sprecher:innen
- Roger Köppel – Moderator und Chefredakteur der Weltwoche