Der Newsletter, verfasst vom Ökonomen und liberalen Kommentator Paul Krugman, nimmt eine kürzlich erschienene Analyse der New York Times zum Ausgangspunkt, die den Personenkult in Donald Trumps Kabinett quantifiziert. Demnach entfällt in Trumps langen, öffentlichkeitswirksamen Kabinettssitzungen durchschnittlich mindestens jeder sechste Satz auf Schmeichelei, Lobpreisung des Präsidenten oder Attacken auf seine politischen Gegner:innen.
Für Krugman ist diese beispiellose Unterwürfigkeit jedoch nicht allein der notorischen Eitelkeit und dem ständigen Bedürfnis nach Bestätigung eines zutiefst unsicheren Mannes geschuldet. Er bettet das Phänomen in eine längere Entwicklung der US-Rechten ein: Bereits unter George W. Bush und Ronald Reagan gab es Versuche, einen Personenkult um den jeweiligen Präsidenten zu etablieren. Trump habe diese Tendenzen lediglich auf die Spitze getrieben und ins Absurde gesteigert.
Die zentrale These des Textes lautet, dass diese inszenierte Verehrung alles andere als harmlos ist. "When prominent people in a republic act as if they were living in a monarchy, the republic increasingly becomes a monarchy in reality." Entscheidend sei, dass die republikanische Partei und die von ihr dominierten Institutionen Trump nicht nur huldigen, sondern ihm auch substanziell mehr persönliche Macht einräumen als jedem Amtsvorgänger. Der Kongress unter Mike Johnson habe seine Kontrollfunktion aufgegeben, und der Supreme Court unter John Roberts habe den Präsidenten faktisch über das Gesetz gestellt und damit diktatorische Vollmachten ermöglicht.
Krugman argumentiert, dass der offenkundige Widerspruch zwischen der hymnischen Verehrung und Trumps objektivem Scheitern – er nennt sinkende Beschäftigungszahlen im verarbeitenden Gewerbe, steigende Inflation, Rekordtiefs beim Verbrauchervertrauen und eine gescheiterte Kriegspolitik – kein Zufall sei. Er diagnostiziert eine fatale "Doom Loop", einen Teufelskreis aus Schmeichelei und Versagen. Trumps notorische Inkompetenz erzeuge ein unstillbares Bedürfnis nach kompensatorischer Lobhudelei und unkontrollierter Macht. Die daraus resultierende abgeschottete Blase der Beweihräucherung verhindere wiederum jegliche Korrektur seiner selbstzerstörerischen politischen Launen.
Einordnung
Krugmans Analyse ist pointiert und bietet einen klaren Deutungsrahmen, der die gegenwärtige politische Krise der USA nicht als einmaligen Ausrutscher, sondern als Ergebnis eines jahrzehntelangen ideologischen Projekts zeichnet. Der Text ist durchdrungen von der liberalen Grundannahme, dass republikanische Institutionen und eine auf Fakten basierende Debatte per se gut und schützenswert sind.
Die argumentative Stärke liegt in der Verbindung der psychologischen Komponente Trumps mit dem institutionellen Versagen von Kongress und Supreme Court. Allerdings bleibt die Analyse selektiv: Die sozioökonomischen und kulturellen Dynamiken, die große Teile der republikanischen Basis für den von Krugman verachteten Personenkult empfänglich machen, werden völlig ausgeblendet. Die "Bewegung" wird als monolithischer Block dargestellt, der lediglich einem Machtinteresse folgt, nicht aber aus einer spezifischen Weltsicht oder politischen Enttäuschung heraus handelt. So endet der Text mit der Ankündigung einer tiefergehenden Erklärung, liefert selbst aber nur die Hälfte der Antwort. Lesenswert ist der Newsletter für alle, die eine scharf geschliffene, ökonomisch fundierte Polemik gegen die autoritären Tendenzen von Trumps zweiter Amtszeit suchen – vorausgesetzt, sie erwarten keine ausgewogene Analyse, sondern die zugespitzte Perspektive eines prominenten Trump-Kritikers.