Die Episode widmet sich der gesellschaftlichen und juristischen Dimension sexualisierter Deepfakes am Beispiel der Vorwürfe von Collien Fernandes gegen Christian Ulmen. Dabei wird verhandelt, wie der Diskurs um digitale Gewalt häufig zulasten der Betroffenen geführt werde. Die juristische Analyse setze eine mangelnde Regulierung als defizitär voraus und rahme den deutschen Rechtsraum dabei unhinterfragt als strukturell täterfreundlich. Zudem werde die etablierte Anonymität im Netz primär als Hindernis für die Strafverfolgung problematisiert, während datenschutzrechtliche Abwägungen oder der Schutz von Grundrechten im digitalen Raum in der Argumentation vollständig in den Hintergrund träten. ### Zentrale Punkte * **Fehlendes Unrechtsbewusstsein** Gerster und Marshall schildern, dass Täter in einschlägigen Foren die Erstellung von Deepfakes als harmlose Fantasie legitimieren würden, wobei jegliches Empathieempfinden für Betroffene fehle. * **Waffenwirkung von Rechtsbegriffen** Der juristische Grundsatz der Unschuldsvermutung werde laut Gerster in sozialen Medien gezielt instrumentalisiert, um die Glaubwürdigkeit von Betroffenen zu attackieren und diese zu diskreditieren. * **Rechtliche Überforderung** Jung argumentiere, dass das deutsche Strafrecht technologisch veraltet sei. Die fehlende Klarnamenpflicht sowie unzureichende Gesetzesdefinitionen würden die juristische Aufklärung massiv erschweren. ### Einordnung Die Diskussion biete eine fundierte Reflexion, indem sie aufzeige, wie rechtliche Prinzipien diskursiv gegen Betroffene gewendet werden. Positiv sei auch die Dekonstruktion eines politischen Narrativs: Kanzler Scholz' Verknüpfung von digitaler Gewalt mit Zuwanderung werde sprachlich als rein reflexhaftes und unpassendes Ablenkungsmanöver entlarvt. Problematisch bleibe hingegen die unhinterfragte Übernahme des Begriffs vom "Täterparadies" für Deutschland. Zudem werde die ökonomische Macht von Tech-Konzernen fast als Naturgewalt gerahmt, gegen die man angesichts der "geballte[n] Macht" der US-Regierung "nun mal sehr schwer anzukommen" scheine, was politische Handlungsspielräume rhetorisch verkleinere. **Hörempfehlung**: Empfehlenswert für Hörer:innen, die sich für die Schnittstellen zwischen digitaler Gewalt, gesellschaftlicher Täter-Opfer-Umkehr und juristischen Reformbedarfen interessieren. ### Sprecher:innen * **Katti Schneider** – Moderatorin des F.A.Z. Podcasts für Deutschland * **Livia Gerster** – Politikredakteurin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung * **Mina Marshall** – Politikredakteurin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung * **Markus Jung** – Wirtschaftsredakteur der F.A.Z. mit Schwerpunkt Recht und Digitales