Es geht um Deutschlands derzeit vielleicht ambitioniertesten Tech-Unternehmer, der mit großen Visionen und noch größeren Zahlen auftritt. Michael Bröcker spricht mit David Reger, dem Gründer von Neura Robotics, über dessen jüngste Rekord-Finanzierungsrunde. Das Gespräch ist weniger ein kritisches Interview als eine Bühne für die Selbstdarstellung eines Gründers, der seine Firma und sich selbst als letzte Hoffnung für den Wirtschaftsstandort präsentiert. Als selbstverständlich gesetzt wird dabei, dass physische Arbeit etwas sei, das eigentlich kein Mensch mehr machen wolle – eine Perspektive, die Arbeit vor allem als Last definiert. Die Unterhaltung bewegt sich im Rahmen einer Fortschrittserzählung, in der technologische Entwicklung als unausweichlich und Wettbewerbsfähigkeit als höchstes Gut erscheinen.

Zentrale Punkte

  • Arbeitskräftemangel als Haupttreiber Reger argumentiere, dass der demografische Wandel bis 2030 allein in Europa zu sieben Millionen fehlenden Arbeitskräften führe. Deshalb sei es unsinnig, Menschen noch für physische Tätigkeiten einzusetzen. Die Robotik werde diese Arbeit übernehmen, ähnlich wie der Traktor die Feldarbeit ersetzt habe.
  • Plattform als letzte Chance für Europa Seine Firma baue nicht nur das „Gehirn" für Roboter, sondern eine ganze Plattform, auf der Unternehmen ihr Prozesswissen behalten könnten. Dies sei die „letzte Chance Europas und Deutschlands", in der physischen Herstellung eine Rolle zu spielen, da sonst alles Wissen an globale Konzerne abgegeben werde.
  • Werkzeug statt Mensch-Maschine Reger ziehe eine klare ethische Grenze: Humanoide Roboter sollten Menschen unterstützen, nicht ersetzen. Er baue keine Verteidigungsprodukte und wünsche sich keine emotionale Bindung zu den Maschinen. Statt Ehen zu zerstören, sollten Roboter durch die Übernahme von Arbeit mehr Zeit für das Wesentliche schaffen.

Einordnung

Das Gespräch gewährt einen direkten Einblick in die Denkweise eines Gründers, der geschickt mit großen Erzählungen operiert. Regers persönliche Geschichte – vom Hauptschulabsolventen und gelernten Modellbauer zum CEO eines Milliarden-Startups – wird als Bewährungs- und Aufstiegsgeschichte inszeniert und verleiht seinen Aussagen eine hohe Authentizität.

Allerdings bleibt Bröckers Nachfragen meist an der Oberfläche. Die deterministische Logik, wonach Arbeitskräftemangel quasi automatisch den massiven Robotereinsatz erzwinge, wird nicht hinterfragt. Die Aussage, man rette der deutschen Wirtschaft „den Arsch", wie es im Transkript wörtlich heißt, verknüpft unternehmerischen Erfolg mit einer nationalen Mission – eine rhetorische Figur, die kritische Distanz erschwert. Zudem werden die strategischen Interessen der Investoren wie Amazon, die selbst die größte Roboterflotte betreiben, nicht tiefer beleuchtet. Die Frage, wessen Arbeit hier eigentlich durch wessen Maschinen ersetzt wird und wer die Kontrolle über diese Plattform behält, bleibt ungestellt.