Ganz spontan und noch „aufgewühlt von der Pressevorführung" werfen Freya Herrmann und Vera Klocke ihre geplanten Themen über den Haufen und sprechen über „Der Teufel trägt Prada 2". Zwanzig Jahre nach dem ersten Teil fragen sie sich nicht nur, wie der Vorgänger gealtert ist, sondern vor allem, wie der neue Film mit Themen wie Arbeit, Selbstverwirklichung und Feminismus umgeht. Ihre Analyse zoomt dabei tief in die Kostümentscheidungen und die Inszenierung von Wohnraum hinein – und entdeckt dort eine seltsame Unentschiedenheit und ein Gefühl von Beliebigkeit, das sie immer wieder an KI-generierte Inhalte denken lässt. Als zentrale Konfliktlinie wird der Kampf zwischen inhaltsgetriebenem Journalismus und seelenlosem Big Tech aufgemacht, wobei der Film selbst nie eine klare Haltung dazu findet, sondern in einer Art nostalgischem Girlboss-Neonliberalismus stecken bleibt.

Zentrale Punkte

  • Unentschiedene Kostüme ohne Haltung Die Kostüme seien im Gegensatz zum Vorgänger nicht mehr von den Figuren her gedacht, sondern wirkten zufällig und unentschieden. Ein grauer Anzug von Miranda Priestly lasse sie etwa kleiner und haltloser wirken, während Andys Looks zwischen konservativem CDU-Chic und gewollter Intellektuellen-Lässigkeit schwankten und keine nachvollziehbare Entwicklung zeigten.
  • Wohnraum als neoliberaler Zwang Andys neuer Job sei direkt an eine teure, charakterlos sanierte Wohnung gekoppelt, deren Kauf sie zwinge, im Job zu parieren. Diese Erzählung erhöhe zwar vorgeblich den Einsatz, schaffe aber keine echte Fallhöhe und sei für ein Publikum uninteressant, das sich mit solchen Luxusproblemen kaum identifizieren könne – ein Effekt, der an die Kritik an „And Just Like That“ erinnere.
  • Verwässerter Feminismus und Tech-Bedrohung Der Film stelle Journalismus als sinnstiftend und Big Tech als seelenlose Bedrohung dar, verbleibe aber in einer diffusen Lean-In-Feminismus-Vorstellung. Weibliche Solidarität werde nicht erzählt, stattdessen kämpften weiße Einzelkämpferinnen in toxischen Abhängigkeiten um die Anerkennung eines Marktes, der Machtpositionen scheinbar einfach kaufen könne.

Einordnung

Die Stärke der Besprechung liegt in der präzisen und mit filmhistorischem Wissen unterfütterten Analyse der Kostüme und des Production Designs. Wenn Herrmann und Klocke beschreiben, wie ein schlecht sitzender Anzug oder eine unpassende Perlenkette eine ganze Figur unterminieren, wird das handwerkliche Versagen des Films greifbar. Ihre Beobachtung, dass die Ausstattung nicht mehr charaktergetrieben sei, sondern wie eine wabernde Annäherung an einen vagen Zeitgeist wirke, ist scharf und nachvollziehbar.

Allerdings bleibt auch die Kritik der beiden selbst in einer gewissen Perspektive verhaftet. Die Diskussion um Diversität wird zwar kurz gestreift – etwa die stereotype Inszenierung von Andys Assistentin oder die fehlende Community unter Frauen –, doch diese Analyse wird nicht konsequent verfolgt. Die Sprecherinnen bewegen sich in ihrer Kritik am Girlboss-Feminismus stark innerhalb eines weißen, bildungsbürgerlichen Rahmens. Die Frage, für wen genau diese Erzählungen von Individualität und Authentizität problematisch sind und wessen Perspektiven eigentlich komplett ausgeblendet werden, wird zwar aufgeworfen, aber nicht in die Tiefe verfolgt. So entsteht eine hochgradig unterhaltsame und ton-sichere, aber in ihrer eigenen Positionierung etwas diffuse Popkulturkritik.

Sprecher:innen

  • Freya Herrmann – Co-Host von Fashion The Gaze, TikTok-, Film- und Serienanalystin
  • Vera Klocke – Co-Host von Fashion The Gaze, TikTok-, Film- und Serienanalystin