In dieser Episode des Nachrichten-Podcasts spricht Gastgeberin Malika Bilal mit der Historikerin Sherry Zane. Es geht um die Frage, welche Version von Michael Jacksons Leben der neue, von den Nachlassverwaltern unterstützte Film „Michael" erzählt – und was er bewusst auslässt. Im Zentrum stehen Jacksons politische Identität als Schwarzer Künstler und seine internationale Solidarität, die im Film kaum vorkommen. Zane vertrete die Sicht, dass das Ausklammern dieser Themen und der Missbrauchsvorwürfe ein strategisches Manöver der Nachlassverwaltung sei, um bestimmte Diskussionen über Jackson zu verhindern.

Zentrale Punkte

  • Schwarze Bürgerrechtsbewegung fehlt Der Film zeige Gary, Indiana, als isolierten Ort. Jacksons frühes Umfeld – etwa die Wahl des ersten Schwarzen Bürgermeisters oder der Auftritt der Jacksons mit Black-Power-Gruß – werde komplett ausgeblendet, obwohl es sein politisches Bewusstsein prägte.
  • Palästina-Solidarität und globaler Süden unterschlagen Jackson habe 1993 das Lied „Palestine Don't Cry" geschrieben und zog sich in den Nahen Osten zurück, weil er sich dort vor westlichen Medien sicher fühlte. Diese Verbindungen in den globalen Süden und seine politische Haltung würden im Film verschwiegen.

Einordnung

Die Podcasterin Bilal stellt präzise Nachfragen, die das Gespräch strukturieren. Die Historikerin Sherry Zane liefert eine detailreiche Kontextualisierung von Jacksons Biografie, die über die übliche Popstar-Erzählung hinausgeht. Sie zeigt, wie eine Filmbiografie durch Auslassungen ein bestimmtes Bild formt. Dabei legt Zane plausibel dar, dass der Kampf gegen Rassismus für Jacksons Karriere zentral war.

Kritisch ist anzumerken, dass Zane das Fehlen der Vorwürfe als „strategisches" Mittel zur „Stillschweigung" anderer Gespräche deutet. Diese Interpretation erklärt die Auslassung eher einseitig mit der Kontrolle durch die Nachlassverwalter. Die rechtlichen Hürden durch Verschwiegenheitsklauseln werden zwar erwähnt, aber in ihrer Bedeutung stark relativiert. Eine Einordnung, die den Schutz der Persönlichkeitsrechte anonymer Beteiligter stärker gegen die Erwartung an eine vollständige Biografie abwägt, fehlt. Das Zitat, Jackson sei sehr intelligent und politisch gebildet gewesen und habe gewusst, wie die Welt funktioniere, zeigt Zanes klare Positionierung, der die Film-Erzählung bewusst entgegenstehe.

Sprecher:innen

  • Malika Bilal – Preisgekrönte Journalistin und Gastgeberin von „The Take"
  • Sherry Zane – Historikerin, arbeitet an einem Buch über Michael Jackson