Markus Feldenkirchen spricht mit der USA-Expertin Cathryn Clüver Ashbrook und dem Grünenpolitiker Omid Nouripour über eine Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran, die nach einem kurzen, heftigen Krieg zustande kam. Donald Trump stelle sie als großen Erfolg dar; die Gäste seien sich jedoch einig, dass es sich um eine Kapitulation der USA und einen Sieg des iranischen Regimes handle.
Das Gespräch zeichnet das Bild einer amerikanischen Administration, die ohne ausreichende Expertise und mit völlig falschen Annahmen in einen Krieg gezogen sei. Als selbstverständlich vorausgesetzt wird, dass das iranische Regime – durchweg als „Regime" und nicht als Regierung bezeichnet – ein ausschließlich repressiver Akteur sei. Die USA fungierten hier als vermeintliche Ordnungsmacht, die an ihrer eigenen Inkompetenz scheitere. Die Diskussion dreht sich vor allem um die Frage, wer gewonnen und wer verloren habe, und weniger um die konkreten Inhalte des Abkommens.
Zentrale Punkte
- Die USA habe bedingungslos kapituliert Die iranische Führung habe alles erreicht, was sie wollte, behaupten beide Gäste. Trump habe keines seiner Kriegsziele durchsetzen können, weder ein Ende des Atomprogramms noch einen Regimewechsel. Stattdessen erhalte Iran nun Zugang zu eingefrorenen Vermögenswerten und internationale Rehabilitierung.
- Trump verhandle ohne Strategie und Expertise Die amerikanische Regierung habe die Entschlossenheit Irans, die Straße von Hormus zu schließen, nie ernsthaft einkalkuliert, argumentiert Nouripour. Clüver Ashbrook ergänzt, die bürokratische Expertise sei nach Massenentlassungen und dem Rauswurf von Iran-Experten aus dem Nationalen Sicherheitsrat verloren gegangen.
- Der Deal sei eine Katastrophe für die Menschen im Iran Das Regime sitze nun fester im Sattel als zuvor, so Nouripour. Es führe eine neue Hinrichtungswelle durch – ermutigt durch das Abkommen und die Aussicht auf bis zu 300 Milliarden Dollar, die vor allem in Repression und regionale Aggression fließen würden.
- Israels Premier Netanyahu verliere Trumps Rückendeckung Es gebe einen öffentlichen Bruch zwischen Trump und Netanyahu, analysiert Clüver Ashbrook. Trump habe Israel zu Mäßigung im Libanon aufgerufen und verfüge über immer weniger Druckmittel. Das könne Netanyahu jedoch gelegen kommen, da er innenpolitisch unter Druck stehe und Konflikte zur Profilierung brauche.
Einordnung
Das Gespräch liefert eine detaillierte und kenntnisreiche Dekonstruktion des Abkommens aus Sicht zweier Kritiker:innen der Trump-Administration. Clüver Ashbrook bringt ihr Wissen über die inneramerikanischen Machtverschiebungen und das bürokratische Vakuum ein, Nouripour ergänzt mit Einblicken in die iranische Gesellschaft und die Funktionsweise des Regimes. Der Moderator hakt mehrfach nach, etwa bei den konkreten Formulierungen des Abkommens oder den Widersprüchen in Trumps Darstellung, und schafft so ein dichtes, faktenreiches Gespräch. Die Stärken liegen in der präzisen außenpolitischen Analyse und der Verknüpfung von innenpolitischen Zwängen in den USA mit globalen Folgen.
Allerdings bleibt die Diskussion einem engen Deutungsrahmen verhaftet: Die USA erscheinen allein als inkompetenter Akteur, der Iran als monolithisches „Regime", und das Abkommen wird fast ausschließlich als Niederlage des Westens verhandelt. Alternative Perspektiven – etwa die Frage, ob ein Waffenstillstand trotz aller Zugeständnisse Leben retten könnte, oder die Sichtweise der US-Regierung selbst – werden nicht eingeholt. Die 300 Milliarden Dollar angeblicher Wiederaufbauhilfe werden als Tatsache behandelt, ohne ihre Herkunft schlüssig zu klären. Die ökonomischen Interessen Deutschlands (Ölpreise, Exportnation) werden als selbstverständlicher Maßstab gesetzt, ohne dies zu problematisieren.
Hörempfehlung: Für alle, die verstehen wollen, wie zwei profilierte Kritiker:innen der Trump-Administration das Scheitern des Iran-Abkommens analysieren, bietet diese Episode eine pointierte und faktenreiche Einordnung.
Sprecher:innen
- Markus Feldenkirchen – Moderator, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro
- Cathryn Clüver Ashbrook – USA-Expertin und Politikwissenschaftlerin
- Omid Nouripour – Vizepräsident des Deutschen Bundestags (Grüne), in Teheran geboren