In dieser Folge sprechen die Frauenärztinnen Katrin Schaudig und Anneliese Schwenkhagen über die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS), eine schwere zyklusabhängige psychische Erkrankung. Sie erklären, worin sich PMDS von gewöhnlichem PMS unterscheide, was neurobiologisch dahinterstecke und wie eine Behandlung aussehen könne – von der durchgehenden Einnahme der Kombi-Pille über Gestagen-Monopräparate bis zu selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern. Besonders in der Perimenopause, wenn hormonelle Schwankungen zunehmen, könne sich das Krankheitsbild verschärfen.

Die Diskussion setzt ein biomedizinisches Verständnis voraus, in dem das „hormonsensitive Gehirn“ zentral ist. Psychosoziale Belastungen werden zwar als verstärkende Rahmenbedingungen erwähnt, die Deutungshoheit liegt jedoch klar bei den Hormonexpertinnen. Mit großer Selbstverständlichkeit wird die medikamentöse Ausschaltung des Eisprungs als Königsweg präsentiert, auch weil mit dem weitverbreiteten Mythos aufgeräumt werde, ein simpler Progesteronmangel sei die Ursache.

Zentrale Punkte

  • PMDS – eine ZNS-Erkrankung, kein starkes PMS
    Die prämenstruelle dysphorische Störung sei klar von gewöhnlichem PMS abzugrenzen: Im Vordergrund stünden psychische Symptome wie extreme Reizbarkeit, Wut, depressive Verstimmungen und das Gefühl von Kontrollverlust, die stets nach dem Eisprung einsetzten und mit der Blutung endeten. Die Erkrankung sei an definierte diagnostische Kriterien gebunden und müsse zu einer spürbaren Beeinträchtigung im Alltag führen.
  • Veränderte GABA-Rezeptoren und Serotoninstörung
    Bei PMDS-Patientinnen bewirke Progesteron über sein Stoffwechselprodukt Allopregnanolon nicht Beruhigung, sondern Anspannung und Aggression – weil ihre GABA-Rezeptoren verändert seien. Zusätzlich arbeite ihr Serotoninsystem anders, sodass im synaptischen Spalt zu wenig Serotonin verfügbar sei. Diese neurobiologischen Besonderheiten bestünden schon vor der ersten Regelblutung und ließen sich in bildgebenden Verfahren nachweisen.
  • Therapie durch Zyklusstabilisierung und SSRI
    Der wichtigste Ansatz sei, den Eisprung zu unterdrücken – etwa mit einer Kombi-Pille im Langzyklus oder einer Gestagen-Monopille. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer könnten ebenfalls helfen, oft zyklisch in der zweiten Zyklushälfte. Progesterongaben hingegen seien kontraindiziert, weil sie die Symptome verstärkten. Individuell müsse das passende Gestagen gefunden werden, denn jedes Gehirn reagiere anders.
  • Wechseljahre als Brandbeschleuniger
    In der Perimenopause könnten die hormonellen Turbulenzen die PMDS-Symptome erheblich verschlimmern. Besonders ein relativer Progesteronüberschuss – statt des häufig unterstellten Mangels – könne dabei psychische Beschwerden anfachen. Gleichzeitig erhöhten die vielfältigen Belastungen in der Lebensmitte den Leidensdruck, sodass die Störung oft erst zwischen 30 und 40 diagnostiziert werde.

Einordnung

Die Stärke der Episode liegt in der fachlich präzisen, dabei gut verständlichen Vermittlung eines komplexen Krankheitsbildes. Die Expertinnen machen die neurobiologischen Mechanismen anhand von klaren Metaphern greifbar – etwa wenn Katrin Schaudig sagt: „Das Gehirn von Frauen mit PMDS ist ein Beamter, es möchte immer alles genau gleich.“ Zugleich entkräften sie verbreitete Fehlannahmen, vor allem die reflexhafte Gabe von Progesteron, und geben einen Einblick in den aktuellen Forschungsstand.

Die Darstellung bleibt jedoch eng an einem medizinisch-technischen Blick. Betroffene kommen nur über kurze Zuschriften zu Wort, ihre subjektive Leidensgeschichte wird nicht eigenständig entfaltet. Psychotherapeutische oder lebensweltliche Ansätze werden nicht diskutiert; der Fokus liegt ganz auf medikamentöser Eisprungunterdrückung, deren Risiken und Alternativen kaum kritisch abgewogen werden. Auch die Empfehlung, SSRI in der Schwangerschaft weiterzunehmen, wird ohne vertiefte Risikoabwägung ausgesprochen. Wer eine ganzheitlichere Sicht oder die Stimme von Patient:innen stärker sucht, wird hier nur teilweise fündig.

Hörempfehlung: Für Frauen mit Verdacht auf PMDS und alle, die hormonelle Zusammenhänge in den Wechseljahren besser verstehen wollen, bietet die Folge fundierte, aktuelle Orientierung.

Sprecher:innen

  • Katrin Simonsen – Moderatorin und Redakteurin bei MDR Aktuell
  • Dr. Katrin Schaudig – Frauenärztin, Hormonexpertin, Präsidentin der Deutschen Menopause Gesellschaft
  • Dr. Anneliese Schwenkhagen – Gynäkologische Endokrinologin, Buchautorin, Vorstand der Deutschen Menopause Gesellschaft