Die Episode kreist um ein von POLITICO enthülltes Foto, das den AfD-Landeschef von Sachsen-Anhalt, Martin Reichardt, in einer Pose zeigt, die einem Hitlergruß gleicht. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Frage nach der Echtheit des Fotos, sondern vor allem die Art und Weise, wie die AfD und ihre Vertreter:innen darauf reagieren. Die Diskussion wird dabei von der Annahme getragen, dass solche Vorfälle für die Partei kaum politische Konsequenzen haben werden, weil die eigene Wähler:innenschaft daran keinen Anstoß nehme. Die Auseinandersetzung mit der Geste wird so von einer rechtlichen und moralischen Frage zu einem vermeintlichen Kommunikationsproblem der Medien umgedeutet.

Zentrale Punkte

  • Umdeutung in eine Belanglosigkeit Der Vorgang werde von AfD-Vertreter:innen als privater Scherz unter Parteifreunden oder als „ungünstige Fotosituation“ dargestellt. Die nationalsozialistische Symbolik werde so zu einer technischen Panne oder einem harmlosen Witz umgedeutet, dessen Bedeutung man nicht überbewerten dürfe.
  • Konstruktion einer medialen Kampagne Ein wiederkehrendes Argument sei der Vergleich mit Bildern anderer Politiker:innen, die in unglücklichen Posen fotografiert wurden. Dadurch werde die spezifische Belastung durch Zeugenaussagen eingeebnet und die Berichterstattung als gezielte Skandalisierung einer nichtigen Alltagssituation durch politische Gegner:innen präsentiert.

Einordnung

Die Stärke der Episode liegt in der Konfrontation verschiedener Deutungsebenen. Die Journalist:innen liefern Belege und Aussagen von Beteiligten, während parallel die Verteidigungslinie der AfD hörbar gemacht wird. Dieses Nebeneinander entlarvt eine durchdachte rhetorische Strategie: Kern ist die Relativierung durch Normalisierung. Der Versuch, einen Unterschied zu anderen Politikern zu negieren – wie es Stefan Brandner mit dem Hinweis auf Bilder von Merz oder Habeck tut –, zielt darauf ab, den Vorgang als gewöhnliches politisches Alltagsgeräusch erscheinen zu lassen.

Die Einordnung stößt allerdings dort an ihre Grenzen, wo unhinterfragte Annahmen sichtbar werden. Die Prämisse, dass die Wähler:innen in Sachsen-Anhalt sich daran nicht stören würden, wird im Gespräch kaum hinterfragt, sondern als scheinbar objektive Tatsache anerkannt. Zudem bleibt die Perspektive derer außen vor, die durch die Geste symbolisch ausgegrenzt werden. Eine Einordnung, was das Spiel mit tabuisierten Symbolen für den demokratischen Diskurs bedeutet, unterbleibt zugunsten einer Beobachtung der innerparteilichen Folgenlosigkeit. Ein markanter Satz von Brandner verdeutlicht die Argumentationsstruktur: „Es ist eine ungünstige Fotosituation und das ist schade, aber ist halt so.“ Die verharmlosende Verknappung von „schade“ und der Entpolitisierung einer verbotenen Geste zeigt präzise, wie Verantwortung abgewehrt wird.

Sprecher:innen

  • Gordon Repinski – Host und POLITICO Executive Editor
  • Pauline von Pezold – Journalistin bei POLITICO, Co-Autorin der Enthüllung
  • Stephan Brandner – Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion
  • Rasmus Buchsteiner – POLITICO-Reporter mit Schwerpunkt Bund-Länder-Politik