Zwei AfD-Politikerinnen sprechen mit dem Moderator des Deutschland-Kuriers über die neu gegründete "Arbeitsgemeinschaft Tierschutz" der Partei. Im Zentrum steht das Bemühen, den Vorwurf zu entkräften, die AfD kümmere sich nicht um Tierschutz. Die Doppelspitze Nicole Hess und Carina Schießl präsentieren einen pragmatischen, bürokratiekritischen Ansatz und betonen die Eigenverantwortung von Landwirt:innen und Verbraucher:innen.

Tierschutz-Engagement der AfD werde systematisch verkannt

Die Sprecherinnen betonen, der Vorwurf, die AfD mache nichts für den Tierschutz, sei falsch. Es gäbe "unglaublich viele Mitglieder, die sich dafür engagieren". Die Gründung der Arbeitsgemeinschaft sei auf Druck von Uwe Schulz erfolgt, der "schon seit vielen vielen Jahren im Bereich Tierschutz aktiv" sei.

Bio-Zertifizierung könne dem Tierwohl schaden

Carina Schießl zitiert eine Milchbäuerin, die ihre Bio-Zertifizierung aufgegeben habe, weil die strengen Auflagen "nicht im Sinne der Tiere" seien. Das Verbot kleiner Antibiotika-Mengen habe zu einer "ganz umfänglichen großen Behandlung geführt". Schießl folgert: "Ja, ich möchte mich auf die Zuverlässigkeit unserer Bauern und Landwirte verlassen".

Klimaschutz sei Ideologie, Tierschutz ein hohes Gut

Schießl unterscheidet scharf zwischen Klima- und Umweltschutz: "Umweltschutz ist auch bei uns in der Partei ein hohes Gut ... Und Klimaschutz ist ganz was anderes und das ist Ideologie." Dem setze man einen "pragmatischen Tierschutzansatz" entgegen, bei dem Mensch, Wirtschaft und Tier gleichermaßen leben können sollten.

Massentierhaltung sei mit artgerechter Haltung unvereinbar

Auf Nachfrage verneinen beide unisono, dass Massentierhaltung mit artgerechter Haltung vereinbar sei. Ein Verbot lehne man jedoch ab: "Das muss jeder in seinem Verantwortungsbereich irgendwie abbilden, ob er das kann, ob er das möchte." Schießl sieht die Lösung in der Stärkung der kleinen Landwirt:innen gegen die "großen industriellen Anlagen".

Gebietsfremde Arten und Wölfe seien ernste Gefahren

Nicole Hess mahnt die Entnahme invasiver Arten wie des Waschbären an, die "eine ganz große Gefahr für unsere heimische Tierwelt" darstellten. Beim Wolf sei der Schutz von Weidetieren zentral. Schießl verweist auf einen dokumentierten Fall, bei dem ein Wolf "über zwei Tage an dem noch lebenden Schaf weitergefressen hat". Deutschland habe "mehr Wölfe als in Frankreich, Schweden und Finnland zusammen". Der Moderator warnt, wenn nicht bald gehandelt werde, könne der Wolf "komplett aus Deutschland wieder vertrieben" werden, sobald ein Kind zu Schaden komme.

Tierheime benötigten dringend Finanzierung

Beide fordern eine bessere Ausstattung der Tierheime. Hess würde "auf jeden Fall mal die Finanzierung von Tierheimen irgendwie anders generieren". Schießl schlägt eine Zweckbindung des "monetären Gegenwerts der Hundesteuer" dafür vor. Zudem regt sie staatlich finanzierte Auffangfarmen nach serbischem Vorbild an, um zu verhindern, dass Tiere aus dem Ausland die hiesigen Tierheime füllen.

Einordnung

Das Gespräch ist ein klassisches Beispiel für den Kommunikationsstil des AfD-nahen Deutschland-Kuriers: Ein wohlwollender Moderator bietet Parteivertreterinnen eine Bühne zur Selbstdarstellung ohne kritische Gegenrede. Die Gesprächsführung von Oliver Flesch ist affirmativ bis suggestiv – er bietet selbstständig AfD-freundliche Deutungen an ("sehr gut, dass die AFD keine Verbots-Partei, wie z.B. die Grünen") und unterbricht nicht, wenn Schießl in eine polemische Aufzählung vermeintlich "eingetrichterter" Gesundheitsgebote abgleitet.

Die Doppelstrategie der AfD-Vertreterinnen ist erkennbar: Sie präsentieren sich als empathische Tierliebhaberinnen, während ideologische Differenzen gezielt in andere Politikfelder (Klimaschutz) verschoben werden. Diese Entkopplung von Tier- und Klimaschutz als angeblich getrennte Sphären ignoriert wissenschaftliche Zusammenhänge und vereinfacht komplexe Transformationsprozesse zu einer Frage von "gesundem Menschenverstand". Auffällig ist, dass ökonomische oder EU-weite Regulierungsinstrumente nicht diskutiert werden; stattdessen dominiert die Rahmung von "Eigenverantwortung" und "Freiheit", die staatliches Handeln auf Einzelfall-Ahndung reduziert.

Der Moderator versucht wiederholt, das Thema mit migrationspolitischen Positionen zu verknüpfen ("Deutschland ist voll, dies das und so, das gilt ja genauso auch für Menschen") und bedient das Narrativ der überbordenden Bürokratie. Die Argumentation bleibt durchgängig im Ungefähren – auf die Frage nach dem Spagat zwischen Tierschutz und Bürokratieabbau antwortet Hess ausweichend mit dem Hinweis auf die junge Arbeitsgemeinschaft. Statt konkreter Politikvorschläge dominieren anekdotische Evidenz und emotionale Appelle. Die Perspektive von Tierschutzorganisationen oder unabhängiger Wissenschaft fehlt völlig.

Sehwarnung: Kein journalistischer Beitrag, sondern ein unkritisches Parteiformat, das komplexe Themen simplifiziert und AfD-Narrative verlängert.