Der Moderator der Weltwoche kündigt ein ausführliches Interview mit dem AfD-Spitzenkandidaten für Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm, an. Ziel sei es, herauszufinden, mit wem man es bei diesem Politiker zu tun habe, dessen Partei in Umfragen bei 36 Prozent liege. Die Rahmung stellt Holm als einen der „meist beachteten Politiker Deutschlands“ dar, dessen möglicher Wahlsieg „gewaltige Konsequenzen“ haben könnte. Die dabei als selbstverständlich gesetzte Aussicht, dass ein AfD-Ministerpräsident die politische Architektur Deutschlands erschüttern würde, strukturiert das gesamte Gespräch.
Das Interview selbst bewegt sich zwischen privater Plauderei und politischem Programm. Holm präsentiere sich als bodenständiger Familienmensch, der seine DDR-Sozialisation als abschreckendes Beispiel für heutige linke Politik verstehe. Der Begriff „Remigration“ sei für ihn nichts anderes als die Durchsetzung geltenden Rechts, und der Vorwurf eines Rechtsrucks seiner Partei sei eine mediale Erfindung. Als zentrale politische Kraft sieht er die AfD, weil die CDU unter Friedrich Merz ihre Glaubwürdigkeit verspielt habe und weiterhin eine „linke Politik“ betreibe.
Zentrale Punkte
- „Remigration“ als normalisierte Abschiebung Holm stelle „Remigration“ als wissenschaftlichen Begriff und bloße Durchsetzung von Abschiebungen dar. Die negative Aufladung des Wortes sei ein Werk von Altparteien und Medien. Er verschiebe die Bedeutung zusätzlich, indem er die Rückkehr ausgewanderter Deutscher unter den Begriff fasse.
- CDU als unglaubwürdig dargestellt Die CDU unter Friedrich Merz habe durch ihre Politik nach der Wahl ihre Glaubwürdigkeit komplett verloren. Sie mache linke Politik statt der angekündigten konservativen Wende. Daher sei die AfD die einzig verbliebene konservative Kraft, die eine echte Alternative biete.
- DDR als Mahnmal gegen linke Politik Holm nutze seine DDR-Erfahrung als Argument gegen heutige linke Vorschläge wie Mietpreisbremsen. Das gescheiterte sozialistische System diene ihm als Beleg dafür, dass solche Ideen grundsätzlich falsch seien. Gleichzeitig romantisiere er die unbeschwerte Kindheit im Dorf.
- Alleinregierung als strategisches Ziel Angesichts der „Brandmauer“ strebe Holm eine Alleinregierung der AfD an. Eine Koalition mit der CDU sei zwar denkbar, aber die Partei setze auf absolute Mehrheiten, um politische Kernforderungen durchzusetzen. Dies zeige einen pragmatischen Machtanspruch jenseits von Koalitionsoptionen.
Einordnung
Das Gespräch erfüllt vor allem den Zweck, Leif-Erik Holm eine breite Plattform zur Selbstdarstellung zu geben. Der Moderator lässt Holm ausführlich seinen Werdegang schildern, seine Positionen darlegen und seine Partei als letzte verbliebene Kraft der bürgerlichen Mitte inszenieren. Es entsteht das Porträt eines bodenständigen Politikers mit vermeintlich nachvollziehbaren biografischen Motiven.
Eine kritische Einordnung bleibt jedoch fast vollständig aus. Unhinterfragte Setzungen wie die einer angeblich massiven Bedrohung durch „illegale Zufallseinwanderung“ oder die Gleichsetzung von aktueller Regierungspolitik mit einem DDR-Regime stehen im Raum, ohne dass sie eingeordnet oder mit Gegenargumenten konfrontiert würden. Das extrem aufgeladene Wort „Remigration“ wird allein durch Holms Definition als normaler juristischer Begriff dargestellt. Die Interviewführung weist Züge eines Schulterschlusses auf, etwa wenn der Moderator nachfragt: „Glauben Sie an den großen Austausch?“ – eine Frage, die einer extrem rechten These Raum zur Entfaltung bietet, ohne deren ideologischen Hintergrund zu benennen. Wie sehr Holm hier in einem geschützten Raum argumentieren kann, zeigt diese Passage: „Ja, also ich ich will da auch gar keine irgendwelche Verschwörungstheorien wälzen, aber die Zahlen belegen natürlich, äh dass hier genau das stattfindet, ja.“ Anstatt diesen Widerspruch aufzudecken, bleibt die Aussage unwidersprochen.
Sprecher:innen
- Leif-Erik Holm – AfD-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern und Bundestagsabgeordneter
- Moderator – Interviewer der Weltwoche, tritt als fragender, aber nicht kritisch nachhakender Gesprächspartner auf