In dieser Episode des OMR-Podcasts empfängt Host Philipp Westermeyer den Scalable-Capital-Gründer Erik Podzuweit. Das Gespräch widmet sich primär der wirtschaftlichen Entwicklung des Neobrokers sowie aktuellen makroökonomischen Trends an den Finanzmärkten. Podzuweit erläutert die Renaissance der B2C-Fintechs und analysiert die Verschiebung von reinen Software-Investments hin zu physischer Infrastruktur im Zuge des KI-Booms. Der Diskurs ist in der gesamten Episode stark von hegemonialen ökonomischen Deutungsmustern geprägt. Geopolitische Eskalationen, wie der Krieg im Iran, oder auch prekäre Lebensrealitäten werden nahezu ausschließlich als Faktoren für Marktschwankungen, Inflation oder als Hebel für virales Marketing verhandelt. Wachstums- und Wettbewerbslogiken sowie die ständige Monetarisierung von Daten und Ereignissen gelten im Gesprächsverlauf als unhinterfragte, natürliche Prämissen. ### Zentrale Punkte * **B2C-Fintechs als Startup-Könige** Podzuweit betone, dass Endkunden-Fintechs nach einer Schwächephase wieder die dominierenden Akteure im europäischen Startup-Markt seien und auf zukünftige Börsengänge zusteuerten. * **Trendwende am Kapitalmarkt** Investoren würden sich von reinen Software-Modellen abwenden und verstärkt in physische Anlagen investieren, da die Prognostizierbarkeit von Software-Umsätzen durch KI bedroht werde. * **Krieg als reines Börsenrisiko** Geopolitische Konflikte wie im Iran hätten historisch nur dann langfristige negative Auswirkungen auf den Aktienmarkt, wenn sie – analog zum Jahr 1973 – zu massiven Ölpreisschocks führten. * **Wetten als Wahrheitsmärkte** Prediction Markets würden zwar ethische Fragen aufwerfen, besäßen aber aufgrund des finanziellen Einsatzes der Akteur:innen oft eine weitaus höhere Prognosekraft als klassische Meinungsumfragen. ### Einordnung Das Gespräch bietet fundierte Einblicke in die Denkweise der Tech- und Finanzelite und entschlüsselt komplexe Marktdynamiken für Laien verständlich. Bemerkenswert ist jedoch die absolute Dominanz einer radikalen ökonomischen Verwertungslogik: Der Krieg im Iran wird völlig entmenschlicht und exklusiv als Risikofaktor für Zinsen und Lieferketten gerahmt. Podzuweit analysiert diese Dynamik kühl, indem er feststellt, dass „der Kapitalmarkt davon komplett unbeeindruckt“ sei. Ebenso wird das Wetten auf gesellschaftliche Großereignisse primär als effizientes Marktinstrument normalisiert. Wenn Westermeyer das Verschenken von Lebensmitteln an Bedürftige als genialen Marketing-Stunt für niedrige Kundengewinnungskosten einordnet, zeigt sich beispielhaft, wie hier selbst gesellschaftliche Notlagen zur reinen Business-Metrik verkommen. **Hörempfehlung**: Lohnt sich für Hörer:innen, die verstehen möchten, mit welchen Narrativen, Framing-Strategien und ökonomischen Metriken die Finanzbranche geopolitische und technologische Umbrüche bewertet. ### Sprecher:innen * **Philipp Westermeyer** – OMR-Gründer und Host * **Erik Podzuweit** – Mitgründer und Co-CEO des Neobrokers Scalable Capital