In dieser Episode des Tech-Podcasts verhandeln Gavin Karlmeier und Lorenz Meyer die gesellschaftlichen Auswirkungen unregulierter Technologieplattformen. Den emotionalen Schwerpunkt bildet der Fall der Moderatorin Collien Fernandes, die Opfer von KI-generierter sexualisierter Gewalt wurde. Die Moderatoren besprechen dies nicht primär als individuelles Schicksal, sondern als strukturelles, patriarchales Problem, das durch rasanten technologischen Fortschritt eskaliert. Dabei wird eine Ohnmacht gegenüber großen Tech-Konzernen wie Meta oder X als nahezu selbstverständlich vorausgesetzt. Rechtliche Rahmenbedingungen werden im Diskurs als systematisch unzureichend dargestellt. Die Tech-Plattformen und ihre Eigentümer werden durchgängig als Akteure gerahmt, die Profit und Wachstum konsequent über Opferschutz, demokratische Integrität und gesellschaftliche Verantwortung stellen. ### Zentrale Punkte * **Heuchelei bei digitaler Gewalt** Der Schutz vor digitaler Gewalt sei unzureichend. Die Politik fordere zwar öffentlich mehr Härte, entziehe aber gleichzeitig wichtigen Initiativen wie HateAid die existenziellen finanziellen Mittel. * **Misogynie als gesellschaftliches Fundament** Studien belegten, dass der Konsum frauenfeindlichen Materials aggressives Verhalten fördere. Ironie und Humor dienten in den Medien häufig als Deckmantel für patriarchale Grenzverletzungen. * **Verantwortungsverlust bei Meta** Meta entziehe sich seiner Pflicht, indem menschliche Moderation durch fehleranfällige KI ersetzt werde und politische Wahlwerbung in der EU trotz eigener Verbote unkontrolliert publiziert werde. * **Milliardäre über dem Gesetz** Elon Musk agiere in der festen Überzeugung, über nationalen Gesetzen zu stehen. Gleichzeitig gefährde der Einstieg von Krypto-Investoren bei BlueSky die Vision eines offenen, dezentralen Netzwerks. ### Einordnung Das Gespräch leistet eine starke moralische Verortung technologischer Phänomene. Die Stärke liegt darin, Plattformentscheidungen nicht als bloße technische Fehler, sondern als bewusste Setzungen und asymmetrische Machtausübung zu dekonstruieren. Problematisch ist jedoch die teils unscharfe Trennung zwischen juristischer Schuld und moralischer Verurteilung, wenn etwa die presserechtliche Unschuldsvermutung als störendes journalistisches Feigenblatt gerahmt wird. Zudem wird die Böswilligkeit der Tech-Konzernen als derart absolut gesetzt, dass differenzierte technische Hürden bei der Moderation kaum Raum finden. Wie stark dieses Narrativ der Vorsätzlichkeit die Episode prägt, verdeutlicht Meyer, als er die KI-Strategie des Zuckerberg-Konzerns bewertet: „Und Meta, die automatisieren ja nicht nicht die Moderation, die automatisieren das wegschauen.“ **Hörempfehlung**: Eine sehr empfehlenswerte Episode für alle, die sich für die drängende Schnittmenge von Netzpolitik, feministischer Gesellschaftskritik und unregulierter Plattformökonomie interessieren. ### Sprecher:innen * **Gavin Karlmeier** – Host des Podcasts und Beobachter der Social-Media-Landschaft * **Lorenz Meyer** – Journalist, Autor und kritischer Medienbeobachter