Der Politikpodcast: Gewalt an Frauen - Was wir dagegen tun können
Juristische und strukturelle Analyse zu digitaler Gewalt gegen Frauen, neuen Gesetzen wie dem KI-Verbot und gesellschaftlicher Prävention.
Der Politikpodcast
57 min read2854 min audioAnlassbezogen auf aktuelle Fälle diskutieren die Hauptstadt-Korrespondentinnen die juristischen und gesellschaftlichen Dimensionen digitaler Gewalt. Das Thema werde dabei nicht isoliert als technologisches Problem betrachtet, sondern kontinuierlich in den Kontext patriarchaler Strukturen und gezielten Antifeminismus gestellt. Männliche Dominanzansprüche und der Versuch, Frauen aus der Öffentlichkeit zu verdrängen, würden als selbstverständliche Ursachen für die Taten vorausgesetzt.
Der Diskurs bewege sich dabei primär im Rahmen juristischer Lösungen: Die Ausweitung des Strafrechts bei KI-Deepfakes, Stalking oder Voyeurismus werde als zentrales Mittel zur gesellschaftlichen Normensetzung verhandelt. Erst im letzten Drittel weite sich der Blick auf eine gesamtgesellschaftliche Prävention, wobei Spanien als uneingeschränkt positives Referenzmodell für einen ganzheitlichen staatlichen Opferschutz diene.
### Zentrale Punkte
* **Zunahme digitaler Gewalt**
Reale und digitale geschlechtsspezifische Gewalt nehme statistisch stetig zu. Die Taten dienten Tätern oft als Instrument der Kontrolle und führten bei Opfern zu starken Einschüchterungseffekten.
* **Verschärfung des Strafrechts**
Bisherige Gesetze griffen bei KI-Nacktbildern oft ins Leere. Ein neuer Entwurf sehe vor, künftig nicht nur die Verbreitung, sondern bereits die bloße Herstellung solcher Bilder strenger zu bestrafen.
* **Plattformen und EU-Regeln**
Auf europäischer Ebene würden Tech-Konzerne durch neue Verordnungen stärker in die Pflicht genommen. KI-Programme, die auf Zuruf Entkleidungen simulieren, sollen künftig komplett verboten werden.
* **Spanien als Vorbild**
Im Gegensatz zu Deutschland verfolge Spanien seit Jahrzehnten einen gesellschaftlichen Ansatz, der spezialisierte Gerichte, engmaschige Täterüberwachung und intensive Bildungsarbeit umfasse.
### Einordnung
Die Episode besticht durch eine differenzierte Aufarbeitung komplexer juristischer Details, etwa bei der Anwendbarkeit des Urheberrechts oder bestehender Stalking-Paragrafen. Es gelingt den Journalistinnen sehr gut, digitale Gewalt konsequent aus der psychologischen Perspektive der Betroffenen und nicht als abstrakte Technikdebatte zu betrachten. Kritisch ist jedoch, dass die Diskussion stark staatszentriert verläuft: Mehr Strafrecht und umstrittene Instrumente wie die IP-Adressenspeicherung werden als notwendige Hebel gerahmt und kaum hinterfragt. Grundrechtliche Spannungsfelder, die sich bei Netzsperren oder Überwachungsbefugnissen ergeben, werden zugunsten des absoluten Opferschutzes rasch beiseitegewischt. Dies verdeutlicht sich rhetorisch, wenn Katharina Hamberger die Grenzen der Meinungsfreiheit bei diesem Thema ultimativ schließt: „Ich finde Deepfakes von jemandem zu erstellen, pornografische Videos zu erstellen, das hat für mich mit Meinung in dem Sinne nichts zu tun.“
**Hörempfehlung**: Sehr lohnenswert, um die juristischen Lücken bei Deepfakes und den daraus resultierenden politischen Handlungsbedarf sachlich und faktenreich nachzuvollziehen.
### Sprecher:innen
* **Gudula Geuther** – Korrespondentin für Rechts- und Innenpolitik im Hauptstadtstudio
* **Katharina Hamberger** – Korrespondentin für Innenpolitik im Hauptstadtstudio
* **Katharina Peetz** – Freie Autorin mit Fokus auf Geschlechtsspezifische Gewalt