Im Gespräch mit Marissa Reiserer von Greenpeace wird die Studie „Access Denied“ vorgestellt, die Mobilitätsarmut in Europa untersucht. Als selbstverständlich wird vorausgesetzt, dass der dringend benötigte Umstieg auf klimafreundlichere Verkehrsmittel nur mit einem massiven Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) zu schaffen sei. Die Daten des Öko-Instituts aus dem Jahr 2018 dienten als Grundlage, um zu zeigen, wie sehr ein schlechtes ÖPNV-Netz die Menschen in eine finanzielle Abhängigkeit vom Auto zwinge.
Zentrale Punkte
- Deutschland droht die fossile Abhängigkeit Deutschland sei eines der Länder, in denen der Anteil der Menschen, die unter einem erzwungenen, eigentlich nicht finanzierbaren Autobesitz litten, am stärksten gestiegen sei. Besonders im ländlichen Raum seien mehr als 50 Prozent der Bevölkerung von einem guten öffentlichen Nahverkehr abgeschnitten, was eine extreme Abhängigkeit von schwankenden Spritpreisen erzeuge.
- Soziale Ungleichheit durch Verkehrspolitik Die Politik zementiere diese Ungleichheit, etwa durch einen Tankrabatt, der vor allem Ölkonzernen nütze. Dies sei eine verpasste Chance, gezielt den wenigen Haushalten zu helfen, die vom Auto abhängig sind, während ein gut ausgebauter und günstiger ÖPNV allen eine echte Wahlfreiheit bieten würde, das Auto stehen zu lassen.
Einordnung
Das Gespräch liefert eine konkrete Veranschaulichung der abstrakten Studienergebnisse und verknüpft sie mit aktueller, real spürbarer Politik wie dem Tankrabatt. Die Argumentation gewinnt an Klarheit, indem sie das strukturelle Problem der Mobilitätsarmut auf die persönliche Ebene herunterbricht, wenn Reiserer schildert, dass Menschen vor der existenziellen Entscheidung stünden, „finanziere ich dieses Auto oder finanziere ich andere alltägliche Sachen, wie beispielsweise Lebensmittel, wie ein warmes Wohnzimmer.“ Die Einordnung der Studie selbst bleibt jedoch unkritisch. Dass die Datenbasis von 2018 stammt und methodische Grenzen benannt werden, wird zwar erwähnt, aber nicht in seiner Bedeutung für die teils drastischen Schlussfolgerungen diskutiert. Der von Greenpeace gewünschte Schluss – ein massiver Ausbau des ÖPNV als alleinige Lösung – strukturiert das gesamte Gespräch, ohne dass alternative Wege zu mehr Mobilität, etwa flexible Kleinbus-Konzepte oder eine grundlegend andere Raumplanung, angesprochen werden. Die Perspektive von Menschen, die im ländlichen Raum aus Freiheitsgefühl oder Notwendigkeit auf ein eigenes Auto setzen und einen gut gemeinten, aber womöglich nicht passgenauen Bus ablehnen würden, bleibt ausgeblendet.
Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die eine kompakte Zusammenfassung der Greenpeace-Studie und eine klare politische Positionierung zur Verkehrswende suchen.
Sprecher:innen
- Konrad – Moderator bei Radio Dreyeckland (RDL)
- Marissa Reiserer – Vertreterin von Greenpeace