Die Episode "Der Widerstand gegen das AKW Wyhl in den 1970ern war die Keimzelle..." rekonstruiert die Geschichte des Protests gegen Kernenergie in Deutschland von den späten 1960ern bis zum Atomausstieg 2023. Moderatorin Gabo Pal und Historiker Joachim Radkau analysieren anhand von Archivmaterial, wie sich die Anti-AKW-Bewegung formierte. Dabei wird die Selbstverständlichkeit hinterfragt, mit der wirtschaftliche und politische Eliten die Atomkraft als unumgänglichen Fortschritt präsentierten. Zugleich wird sichtbar, wie Proteste durch den Vorwurf externer Steuerung delegitimiert werden sollten.

Zentrale Punkte

  • Wendung der 68er zur Anti-AKW-Bewegung Die anfängliche Sympathie der 68er für die Atomkraft habe sich erst durch bürgerliche Proteste gewandelt. Deren Pragmatismus half, die Bewegung in der Mitte zu verankern.

  • Wyhl als Katalysator und Delegitimierung Die Proteste in Wyhl seien als extern gesteuert und linksradikal diskreditiert worden, obwohl lokale Bürger:innen dominierten. Gerichtliche Auflagen stoppten das Projekt und bestärkten die Bewegung.

  • Verdeckte Konvergenzen und Atomausstieg Radkau behaupte, Proteste und Wirtschaft hätten konvergiert, da die Bewegung Konzerne vor Fehlinvestitionen bewahrt habe. Der Atomausstieg werde mit dem Fehlen eines militärischen Atomapparats begründet.

Einordnung

Die Folge verbindet Archivmaterial treffend mit historischer Einordnung und deckt widersprüchliche Dynamiken auf: Etwa wie wirtschaftliche Interessen still mit Protesten konvergierten oder der Klimaalarm anfangs als Atomlobby-Argument diente. Problematisch ist, dass die Perspektive von AKW-Befürworter:innen fast ausschließlich als delegitimierende Gegenposition ("auswärtige Drahtzieher") oder als gescheitert erscheint. Die Stimmen aus Philippsburg bei der Sprengung zeigen jedoch eindrücklich, wie sehr Technik lokale Identität formt. Für Hörer:innen, die Mechanismen von Protestbewegungen und historische Brüche der Energiepolitik nachvollziehen wollen, bietet die Episode tiefgründige Einblicke.

Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die die historischen Mechanismen der Anti-Atomkraft-Bewegung und die Widersprüche der deutschen Energiepolitik verstehen möchten.

Sprecher:innen

  • Gabo Pal – Moderatorin
  • Joachim Radkau – Historiker und Experte für Technik- und Umwelthistory