Die heutige Ausgabe des «Echo der Zeit» vom 22. April behandelt sieben Themen in rund 40 Minuten – von der Schweizer Bankenregulierung bis zu den Erfahrungen kopftuchtragender Frauen im Alltag. Die Sendung bewegt sich durchgehend im Format des seriösen Nachrichtenradios: Korrespondent:innen berichten, Expert:innen ordnen ein, Betroffene kommen zu Wort.

Zentrale Punkte

  • Lex UBS: Kompromiss unter Druck Der Bundesrat wolle die UBS zwingen, Auslandstöchter vollständig mit hartem Eigenkapital zu unterlegen – ein moderates Paket, das links wie rechts auf Ablehnung stoße und im Parlament voraussichtlich weiter abgeschwächt werde.

  • Blocher bei Nau: Einfluss durch die Hintertür Die Familie Blocher verkaufe ihre Gratiszeitungen, behalte aber über eine 15-%-Beteiligung und einen Verwaltungsratssitz Einfluss auf das reichweitenstarke Portal Nau – ein Muster, das an die Übernahme der Basler Zeitung erinnere.

  • Deepfakes: Recht hinkt der Technik hinterher Das Schweizer Strafrecht kenne zwar einschlägige Tatbestände, erfasse pornografische Deepfakes aber nur unzureichend; die Verantwortung von Plattformen sei praktisch ungeklärt, weshalb Gesetzgeber und Gerichte gefordert seien.

  • Musliminnen zwischen Alltag und Debatte Zwei kopftuchtragende Frauen schilderten, wie antimuslimischer Rassismus ihr Verhalten im öffentlichen Raum präge; eine Studie der Universität Freiburg belege, dass sich nur eine von 2500 betroffenen Personen überhaupt melde.

Einordnung

Die Sendung zeigt ihre Stärken dort, wo sie unterschiedliche Stimmen gezielt zusammenführt: Beim Bankenthema kommen Bundeshaus, Wirtschaftsredaktion und politische Einschätzung nacheinander zu Wort, was ein differenziertes Bild ergibt. Besonders gelungen ist der Schlussteil zum antimuslimischen Rassismus – die Betroffenen werden als Subjekte behandelt, die über ihre eigene Erfahrung sprechen, nicht als Objekte einer Problemdiskussion. Auch der Deepfakes-Beitrag liefert konkreten juristischen Mehrwert, indem er die Lücken im bestehenden Recht benennt.

Ein blinder Fleck zeigt sich beim Blocher-Nau-Bericht: Dass Christoph Blocher seinen fehlenden Einfluss auf die Gratiszeitungen behauptet, während die Redaktion selbst auf seine regelmäßigen politischen Kommentare in ebendiesen Zeitungen hinweist, wird zwar kurz vermerkt, aber nicht weiter verfolgt. Die Frage, was eine 15-%-Beteiligung konkret an redaktioneller Steuerung ermöglicht, bleibt offen. Beim Bankenthema wird die Forderung nach Wettbewerbsfähigkeit der UBS als legitimes Gegenargument mitgeführt, ohne dass die Prämisse – eine Bank, die doppelt so groß ist wie die Volkswirtschaft, müsse international konkurrenzfähig bleiben – hinterfragt wird.

Hörempfehlung: Lohnt sich für alle, die den Stand der Schweizer Bankenregulierung nach der Credit-Suisse-Krise verstehen wollen – und für jene, die selten hören, was kopftuchtragende Frauen selbst über ihren Alltag in der Schweiz zu sagen haben.

Sprecher:innen

  • Christina Schedecker – Moderatorin, Radio SRF
  • Ruth Wittwer – Bundeshausredaktorin, SRF
  • Sven Zaug – Wirtschaftsredaktor, SRF
  • Philipp Burkert – Bundeshausredaktor, SRF
  • Konrad Musch – Nachrichtenredaktor, SRF
  • Dominik Meyer – Redaktor, SRF
  • Christoph Blocher – Altbundesrat, SVP; Medienunternehmer
  • Linard Uris – Medienforscher, Universität Zürich
  • Martin Wies – Rechtsanwalt und wiss. Mitarbeiter, Universität Zürich
  • Charles Lieper – EU-Korrespondent, SRF
  • Rodothea Seralidu – Freie Journalistin, Athen
  • Vera Tschelik – Muslimin, SP-Engagierte aus Zürich; Betroffene
  • Kübra Tascholu – Muslimin, Vereinsgründerin aus Basel; Betroffene