In dieser Folge von „Über Recht(s)“ beschäftigen sich die Hosts mit dem Buch Links – Deutsch / Deutsch – Links, herausgegeben von den NIUS-Chefs Julian Reichelt und Pauline Voss. Das Werk, das gleich auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste landete, gibt vor, linkes Vokabular zu „übersetzen“. Die Hosts analysieren, welche Vorstellung von „der Linken“ hier eigentlich verhandelt wird und kommen zu dem Schluss, dass es sich weniger um eine echte Analyse als um ein politisches Projekt handelt. Sie zeigen, dass das Buch auf der unhinterfragten Prämisse aufbaut, die Sprache in Deutschland sei von einer linken Hegemonie geprägt, die es nun aus rechter Perspektive zu bekämpfen gelte. Die besprochene „Linke“ wirke dabei oft wie ein Sammelsurium von Feindbildern aus der Zeit um 2016, das mit den aktuellen Debatten innerhalb linker Kreise wenig zu tun habe.

Zentrale Punkte

  • Das Feindbild: eine doppelte Linke Das Buch konstruiere eine Linke aus zwei Teilen: eine kulturkämpferische, die sich auf Gendern und Identitätspolitik konzentriere, und eine staatstragende, die mithilfe des Staates die Meinungsfreiheit einschränken wolle. Beide seien in dieser Darstellung elitäre Projekte gegen den „gesunden Menschenverstand“ eines als normal gedachten Volkes.
  • Ein Wörterbuch als Sammlungsbewegung Das Buch sei mehr als nur eine Provokation, es fungiere als Sammlungsprojekt für ein Milieu zwischen CDU und AfD. Prominente Gastautoren und die starke Betonung pro-israelischer und pro-kapitalistischer Positionen dienten der Abgrenzung zu anderen, teils antikapitalistischen und israelkritischeren Teilen des rechten Lagers.
  • Polemik statt Substanz Die Hosts konstatieren, dass die einzelnen Einträge meist kurze, polemische Texte seien, die selten in die Tiefe gingen. Im Kern wiederholten sie stets die gleiche Behauptung: Linke Begriffe seien Versuche, eine natürliche Realität zu vernebeln, gegen die das Buch die einzig wahre, normale Sichtweise stelle.

Einordnung

Die Stärke der Analyse der Podcast-Hosts liegt darin, das Feindbild „der Linken“ nicht auf seinen Wahrheitsgehalt abzuklopfen, sondern die dahinterliegende Konstruktionsarbeit und die politische Funktion des Buches sichtbar zu machen. Sie arbeiten präzise heraus, wie die spezifische Auswahl von Feindbildern – von Gender-Themen über Israel bis zum Antikapitalismus – nicht nur gegen das linke Spektrum gerichtet ist, sondern auch der internen Positionierung und Sammlung eines Lagers zwischen Konservatismus und Rechtsaußen dient. Die Argumentation der Hosts ist differenziert, wenn sie etwa anerkennen, dass identitätspolitische Debatten zwar existieren, aber nicht mehr die alleinige Vorherrschaft im linken Diskurs beanspruchen, die ihnen das Buch unterstellt.

Dennoch bleibt die Diskussion in einer Hinsicht etwas begrenzt. Die Hosts betonen die intellektuelle Dürftigkeit des besprochenen Buches, was einer tiefergehenden Auseinandersetzung mit einzelnen Argumenten stellenweise im Weg steht. Die schematische Reduktion des Feindbildes auf ein veraltetes Zerrbild ist eine wichtige Beobachtung, doch wird nur am Rande angerissen, warum genau diese, wenn auch polemisch überzeichnete, Darstellung beim Publikum auf so große Resonanz stößt. Hier wäre eine Analyse der realen gesellschaftlichen Konfliktlinien, auf die das Buch sich trotz aller Verzerrungen bezieht, eine wertvolle Ergänzung gewesen. So blieb es bei der Feststellung der Substanzlosigkeit, wie dieses Zitat auf den Punkt bringt: „Der Hauptgrund ist, dass es dann doch nicht so substanziell war, dass es sich gelohnt hätte, da jetzt zweieinhalb Stunden drüber zu sprechen. Es ist kein wahnsinnig tiefes Werk.“ (Nils)

Hörempfehlung: Die Folge bietet eine lohnende Einordnung für alle, die verstehen wollen, wie aktuelle rechte Publizistik Feindbilder konstruiert und welche strategische Funktion das gedruckte Wort in diesem Lager hat.

Sprecher:innen

  • Nils – Host von „Über Recht(s)“ und Experte für rechte Diskurse
  • Speaker 1 – Host des Podcasts, langjährig in linken Kreisen aktiv