Anna Hickey spricht mit Nicholas Enrich, dem ehemaligen kommissarischen Leiter für globale Gesundheit bei USAID. Enrich schildere den Zusammenbruch der Behörde in den ersten Monaten der zweiten Trump-Regierung. Das Einfrieren von Hilfsgeldern, die Entlassung der Führungsebene und das Eindringen von DOGE-Mitarbeitern hätten binnen Wochen Jahrzehnte gewachsener Entwicklungszusammenarbeit beendet. Als selbstverständlich gelte, dass USAID vor allem humanitäre und sicherheitspolitische Ziele verfolgt habe – eine Rahmung, die kaum Raum für andere Lesarten von Entwicklungspolitik lasse.
Zentrale Punkte
- Inkompetenz, nicht Strategie Enrich betone, dass die Zerstörung keinem durchdachten Regierungsplan gefolgt sei. Die DOGE-Leute hätten die Arbeit der Behörde weder verstanden noch verstehen wollen. Statt programmatischer Prüfung seien Verträge willkürlich gekündigt worden, sodass selbst als lebensrettend eingestufte Maßnahmen nicht wieder anlaufen konnten.
- Rache als Antrieb Politische Ernennungen wie Pete Marocco und Mark Lloyd seien mit persönlichen Kränkungen aus der ersten Trump-Zeit zurückgekehrt. Der Abbau der Behörde erscheine als Vergeltungsfeldzug – illustriert durch Lloyds Äußerung, USAID-Mitarbeiter hätten seinen Hund getötet. Der Wille zur Reform sei von Rache überlagert worden.
- Menschliche Kosten Enrich verweise auf Schätzungen, wonach bereits etwa 750.000 Menschen durch die Kürzungen gestorben seien und bis zu 14 Millionen weitere Todesfälle drohten. Der behinderte Ebola-Einsatz in Uganda zeige, wie fahrlässig selbst akute Gesundheitsbedrohungen behandelt worden seien.
Einordnung
Das Interview bietet einen dichten, emotionalen Insiderbericht. Enrich belegt mit konkreten Abläufen, wie persönliche Animositäten und völliges Unverständnis für das eigene Ressort Regierungshandeln prägten. Die geschilderte Blockade von Notfallhilfe und die ausgehebelte Kommunikation mit Partnerorganisationen sind nachvollziehbar und dokumentieren ein erhebliches Verwaltungsversagen.
Die Darstellung bleibt jedoch einseitig. Hickey hinterfragt weder die genannten Todeszahlen noch die auf Modellierungen beruhenden Langzeitprognosen. Andere Perspektiven – etwa historische Kritik an Ineffizienz oder neokolonialen Strukturen von USAID – werden nicht erwähnt. Indem Enrich die DOGE-Mitarbeiter als „Kinder in einem Spielzeug-Raumschiff“ beschreibt, personalisiert er das Problem, während die Frage unbeantwortet bleibt, welche institutionellen Schwächen solch einen Kontrollverlust überhaupt möglich machten.
Hörempfehlung: Für alle, die einen detaillierten Augenzeugenbericht über den Kollaps von USAID und die Arbeitsweise von DOGE suchen – aber ergänzt durch kritischere Analysen.
Sprecher:innen
- Anna Hickey – Communications Editor bei Lawfare und Moderatorin
- Nicholas Enrich – Autor von „Into the Wood Chipper“, ehem. Leiter Global Health bei USAID