In dieser Episode von „Bern einfach“ vom 26. Mai 2026 besprechen Markus Somm und Dominik Feusi aktuelle Zahlen zur AHV, eine neue Studie zum Sicherheitsempfinden in der Schweiz, die stockende Energiewende und die Zuwanderungsstatistik. Die Podcaster, die ihr Format selbst als „grössten nicht-linken Podcast der Schweiz“ bewerben, nehmen durchgehend eine betriebswirtschaftliche Perspektive ein: Sozialwerke werden wie Firmenbilanzen analysiert, staatliches Handeln wird an Effizienz gemessen, und politische Gegner:innen – insbesondere die SP – erscheinen als durchweg realitätsfern.

Zentrale Punkte

  • AHV als bankrottes Unternehmen Die AHV mache im Umlageverfahren monatlich eine Milliarde Franken Verlust und funktioniere nur noch durch Querfinanzierung aus Steuergeldern. Das System aus dem 19. Jahrhundert passe nicht mehr in die heutige Zeit, eine grundlegende Reform sei notwendig.
  • Linke Wählerschaft will mehr Armee Eine neue Umfrage zeige, dass 68 Prozent der linken Wählerschaft die Armee für notwendig hielten – ein historischer Höchstwert. Die SP-Fraktion im Bundeshaus vertrete jedoch das Gegenteil, was als Versagen der bürgerlichen Parteien gedeutet wird, diese Stimmung nicht in politische Mehrheiten umzumünzen.
  • Personenfreizügigkeit als Staatsdünger Die Zuwanderung von über 100.000 Personen jährlich treibe das Wachstum der staatlichen Verwaltung an, weil steigende Nachfrage nach öffentlichen Leistungen entstehe. Einheimische Arbeitnehmer:innen gingen zunehmend in den gemütlichen Staatsdienst, während Ausländer:innen ohne Stimmrecht in der Privatwirtschaft arbeiteten – dies führe schleichend zu mehr Staat.

Einordnung

Die Episode bietet eine pointierte Zuspitzung politischer Streitfragen und arbeitet mit konkreten Zahlen, etwa aus der AHV-Statistik oder der Sicherheitsstudie, was den Argumentationen eine faktische Grundlage gibt.

Allerdings ist die Perspektive durchgehend einseitig: Die Podcaster stellen ihre eigenen politischen Überzeugungen als evident dar, ohne Gegenargumente ernsthaft zu prüfen. Wirtschaftliche Logiken – Gewinn, Verlust, Effizienz – werden als universell gültige Bewertungsmaßstäbe gesetzt, auch dort, wo es um Sozialwerke oder demokratische Prozesse geht. Die SP und „linke Kreise“ erscheinen pauschal als Blockierer:innen, die wahlweise falsche Zahlen verbreiteten oder mit Einsprüchen Energieprojekte verhinderten. Dass tatsächlich 68 Prozent der linken Wählerschaft die Armee befürworten, wird nicht als mögliche Differenziertheit linker Positionen interpretiert, sondern als Beweis für die Entkopplung der SP-Fraktion von ihrer Basis. Wenn die Podcaster über die AHV-Rentenzahlungen ins Ausland sagen: „Das ist nicht der Sinn und Zweck von einem Sozialwerk“, wird eine normative Setzung als selbstverständlich präsentiert, ohne zu diskutieren, ob Sozialwerke auch andere Zwecke als eine reine Grundsicherung verfolgen könnten.

Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die eine prononciert wirtschaftsliberale Perspektive auf Schweizer Politik schätzen und klare Positionierungen suchen.

Sprecher:innen

  • Markus Somm – Publizist und Verleger, ehemaliger Chefredaktor der Basler Zeitung
  • Dominik Feusi – Journalist und Podcaster, schreibt für den Nebelspalter