# "Intensiv leben": Der Psychologie-Podcast zu emotionaler Tiefe In der Podcast-Folge "So bin ich eben" diskutieren die psychologische Psychotherapeutin Stefanie Stahl und der Psychologe Lukas Klaschinski, wie Menschen ihr Leben intensiver gestalten können. Sie betonen, dass in unserer schnelllebigen Gesellschaft die Fähigkeit, Momente wirklich zu erleben, immer seltener wird. ### 1. Intensive Momente seien wichtig für psychische Gesundheit Laut der Diskussion hätten sogenannte "Gipfelmomente" - Situationen mit starken positiven Emotionen - positive Auswirkungen auf die mentale Gesundheit. Diese Erfahrungen würden zu "einer optimistischen Grundstimmung, zu einer höheren Lebenszufriedenheit" führen, während "negative Gedanken, Grübelschleifen, also Rumination, Ängste und Stress abnehmen." ### 2. Ehrfurcht sei eine zentrale Emotion für intensives Leben Die beiden Psycholog:innen betonen die Bedeutung von Ehrfurchtsmomenten, besonders in der Natur: "Und diese Ehrfurchtserlebnisse führen zu einer optimistischen Grundstimmung, zu einer höheren Lebenszufriedenheit." Dacher Keltner habe "die acht Wunder des Lebens" identifiziert, die Ehrfurcht auslösen könnten: darunter Natur, Musik, visuelle Kunst und "moralische Schönheit". ### 3. Digitale Ablenkung verhindere intensive Erlebnisse Die ständige Parallelbeschäftigung sei "das Gift, wenn du staunen möchtest". Stahl gesteht: "...beim Essen allein, mir ist schon wieder zu langweilig, dass ich dann gerne vielleicht nochmal schnell nebenbei eine Runde Skat gleichzeitig auf dem Handy spiele". Dies führe zu einer "dopaminverseuchten" Gehirnstruktur, die immer mehr Reize benötige. ### 4. Gefühlsunterdrückung führe zu Monotonie Intensives Leben bedeute auch, unangenehme Gefühle zuzulassen: "Wenn wir nicht die gesamte Palette unserer Gefühle wahrnehmen, sind wir wie ein Autopilot in unserem Leben unterwegs." Stahl erklärt, viele Menschen würden "so einen Bogen um die unangenehmen Gefühle machen" und dadurch käme es dazu, dass "auch die angenehmen Gefühle ausbleiben und am Ende fühlt sich alles sehr flach an, alles sehr grau." ## Einordnung Der Podcast bietet eine leicht zugängliche Einführung in psychologische Konzepte rund um emotionale Intensität und Wohlbefinden. Die Gesprächspartner:innen vermitteln ihre Expertise auf persönliche, nahbare Weise, indem sie eigene Erfahrungen teilen – wie Stahls "Rutschrausch" oder Klaschinskis Naturerlebnis mit seiner Tochter. Auffällig ist der individualistische Fokus: Die Verantwortung für ein intensiveres Leben wird primär beim Einzelnen verortet. Gesellschaftliche Faktoren, die ein entschleunigtes Leben erschweren – etwa prekäre Arbeitsverhältnisse oder systematische Überlastung – werden kaum kritisch reflektiert. Die Grundannahme, dass jeder Mensch gleichermaßen die Ressourcen und Möglichkeiten habe, sein Leben zu "entschleunigen", bleibt unhinterfragt. Die vorgestellten Konzepte sind gut fundiert und orientieren sich an etablierten psychologischen Theorien wie Maslows "Gipfelerlebnissen". Besonders wertvoll ist der Hinweis, dass intensives Leben nicht nur positive Gefühle, sondern auch die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit unangenehmen Emotionen umfasst. Der Podcast bietet hilfreiche Denkanstöße für Menschen, die nach mehr Tiefe im Alltag suchen, ohne dabei in esoterische oder problematische Konzepte abzugleiten.