Der Newsletter von Public Notice, verfasst unter der klaren kritischen Perspektive des Mediums, zerlegt die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der USA als Lehrstück in Sachen institutioneller Vereinnahmung und Selbstbereicherung. Im Kern zeigt er, wie die ursprünglich überparteilich geplante Semiquincentennial-Feier systematisch unter die Kontrolle von Donald Trumps Umfeld gebracht wurde. Das Vehikel dafür war die neu geschaffene Firma "Freedom 250", die in die National Park Foundation eingebettet und so dem Einfluss der überparteilichen Kommission entzogen wurde.

Die Autorin schildert detailliert, wie Trumps ehemaliger Kampagnenmanager Chris LaCivita und Event-Produzent Justin Caporale – bekannt durch die Planung der Kundgebungen vom 6. Januar 2021 – die Kontrolle übernahmen. Caporales Firma erhielt einen offenen Vertrag über 100 Millionen Dollar. Gleichzeitig wurde Spendern ein abgestuftes System von Gegenleistungen angeboten: Für 500.000 Dollar gab es einen Empfang mit Trump, für zehn Millionen ein Foto mit dem Präsidenten und prominente Logo-Platzierung. Der Bericht spricht hier von einer klaren Gleichung: "Der Präsident bekommt Geld für Eitelkeitsprojekte. Die Firmen bekommen einen privaten Kanal, um Gefälligkeiten zu erbitten. Und die Steuerzahler:innen bleiben mit einer Regierung zurück, die eher wie ein Pay-to-Play-System funktioniert."

Besonders brisant ist die mutmaßliche Täuschung von Spender:innen durch Trumps Spendensammlerin Meredith O’Rourke. Der Bericht der Demokraten des Natural Resources Committee, auf den sich der Newsletter stützt, legt nahe, dass Personen, die für die überparteiliche Kommission spenden wollten, die Bankdaten von Freedom 250 erhielten. Der Abgeordnete Jared Huffman wird dazu zitiert: "Ich bin Anwalt und weiß, dass ich nicht vorschnell von einem Verbrechen sprechen sollte. Aber ich kenne die Elemente von Betrug, und hier gibt es Beweise für all diese Elemente."

Die ideologische Komponente kommt in der historischen Umdeutung zum Tragen. Die von Freedom 250 eingesetzten Propaganda-Werkzeuge, darunter eine KI-Version von George Washington und Kooperationen mit rechten christlichen Gruppen wie PragerU, verbreiteten ein geschöntes Geschichtsbild. Die Kernbotschaft lautete, Rechte seien ein "Geschenk Gottes" und nicht aus dem Prinzip der Selbstregierung entstanden – eine Verschmelzung von weißer, christlicher Identität mit Geschichtsrevisionismus, so der Vorwurf. Das eigentliche Event auf der National Mall geriet dann zur Farce, mit schlecht besuchten Ständen und einem krachenden Feuerwerk, das den "aufgeblähten Diktator" erneut einschlafen ließ.

Einordnung

Der Text von Public Notice ist ein Paradebeispiel für investigativ aufgeladenen, meinungsstarken Journalismus, der sich klar gegen Trump positioniert. Die Argumentation ist dicht und quellenbasiert, stützt sich jedoch hauptsächlich auf den Bericht der oppositionellen Demokraten. Die Perspektive der Veranstalter und die Motive der zahlenden Unternehmen, die möglicherweise ehrliches patriotisches Engagement im Sinn hatten, werden ausgeblendet oder sofort unter den Generalverdacht der Korruption gestellt. Der Begriff "Grifting" (Geldabzocke) setzt den Frame von Beginn an auf kriminelles Handeln, was eine differenziertere Betrachtung der Vorgänge als radikale, aber möglicherweise legale politische Instrumentalisierung erschwert.

Lesenswert ist dieser Newsletter für alle, die verstehen wollen, wie demokratische Institutionen und nationale Symbole durch geschickte, semi-legale Manöver und eine absolute Machtperspektive umgewidmet werden können, um persönliche und politische Loyalitäten zu belohnen. Er ist eine fundierte Fallstudie über die Verquickung von privaten Geschäftsinteressen und Regierungshandeln. Eine klare Lesewarnung gilt für Leser:innen des MAGA-Lagers, die die Prämisse eines "gestohlenen" Nationalevents kaum teilen und die polemische Sprache als "Fake News" abtun werden. Für alle anderen bietet er einen wertvollen, wenn auch einseitig pointierten Einblick in die Mechanismen der Macht.