Im Falter Radio spricht Florian Klenk über sein neues Buch zur Serienmörderin Elfriede Blauensteiner. Die Episode verhandelt weniger den Kriminalfall selbst, sondern fragt nach den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Blauensteiner zur Täterin wurde. Als selbstverständlich gesetzt wird, dass mediale Berichterstattung der 1990er-Jahre weniger sensibel mit Betroffenen umging als heute. Klenk positioniert sich als politisch denkender Journalist, der ursprünglich kein Interesse am Fall hatte.

Zentrale Punkte

  • Medienkritik am Hexenprozess Klenk behaupte, die Medien hätten vor 30 Jahren einen medialen Hexenprozess geführt. Die Berichterstattung habe sich auf den Gerichtsprozess konzentriert, nicht auf die Frage, wie Blauensteiner zur Mörderin geworden sei. Ihre Armut und Gewalterfahrungen seien damals nicht erzählt worden.

  • Gewaltspirale über Generationen Blauensteiner habe extreme Gewalt von ihrer Mutter und ihren Männern erlebt und diese weitergegeben. Klenk spreche von einer Kriegsgeneration, die brutal erzogen worden sei. Die Tochter und Enkelin hätten sich von der Täterin befreit, litten aber unter damaliger Sippenhaftung durch Medien.

  • Journalismus im Wandel Klenk unterscheide zwischen seriösen Medien und Parteipropaganda oder toxischen Inhalten auf Social Media. Er besuche Schulen, um journalistisches Handwerk zu vermitteln. Die Unterscheidungsfähigkeit zwischen Information und Propaganda gehe verloren, was Journalismus gefährde.

Einordnung

Die Episode bietet eine reflektierte Medienkritik aus journalistischer Innenperspektive. Klenk benenne eigene Lernprozesse – er habe den Fall Blauensteiner initially nicht als politisch relevant betrachtet. Stärken liegen in der Einbeziehung von Betroffenenperspektiven (Tochter, Enkelin), die anonymisiert zu Wort kommen. Die Diskussion bleibt jedoch im Mainstream-Konsens: Erklärungen für Kriminalität durch Armut und Gewalterfahrungen werden nicht weiter hinterfragt. Klenks Generationenvergleich (1989er-Optimismus vs. heutige Ängste) bleibt plakativ ohne tiefergehende Analyse. Bemerkenswert ist seine klare Haltung zur Privatsphäre: „Ich will nach Hause kommen und das Türl zumachen und Ruhe haben." Die Episode eignet sich für Hörer:innen, die sich für Medienethik und österreichische Zeitgeschichte interessieren.

Hörempfehlung: Für Journalist:innen und Medieninteressierte lohnt sich die Episode wegen der reflektierten Selbstkritik an Boulevard-Mechanismen und der klaren Positionierung zum Handwerk des Journalismus.

Sprecher:innen

  • Florian Klenk – Chefredakteur Falter, Investigativjournalist, Buchautor
  • Patrick Budgen – ORF-Journalist, Moderator von „Hinter den Schlagzeilen"

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