Der Newsletter von Noah Berlatsky für "Public Notice" analysiert die jüngsten Personalquerelen in der US-Gesundheitsbehörde FDA und ordnet sie in den größeren Niedergang der von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. angeführten "Make America Healthy Again" (MAHA)-Bewegung ein. Berlatsky, ein regelmäßiger Autor des unabhängigen, kritischen Mediums, zeichnet das Bild einer Behörde, die durch einen "Paroxysmus der Verwirrung und des Chaos" zerrissen wird. Auslöser war der Rücktritt von FDA-Kommissar Martin Makary, der durch Kyle Diamantis ersetzt wurde, einen medizinisch unqualifizierten Vertrauten von Donald Trump Jr.
Als unmittelbare Ursache für Makarys Abgang nennt der Text dessen Widerstand gegen fruchtige E-Zigaretten, die aus seiner Sicht die Kinder-Sucht fördern. Hier prallten innerhalb der Regierungskoalition MAHA-Ideologie und Industrieinteressen aufeinander, wobei Trump sich letztlich auf die Seite der Lobbyisten geschlagen habe. Ein zentrales Zitat bringt die strukturelle Schwäche der Bewegung auf den Punkt: "Die Instabilität in den US-Gesundheitsbehörden unterstreicht die Prekarität der Make America Healthy Again (MAHA)-Bewegung, mit all ihrem Schlangenöl, ihrer Fettphobie und eugenischem Hokuspokus."
Berlatsky argumentiert, dass Makarys Abgang nicht etwa wegen seiner wissenschaftsfeindlichen Haltung als MAHA-Anhänger erfolgte. Im Gegenteil: Der Text legt detailliert dar, dass Makary zuvor durchaus die antiwissenschaftliche Linie der Bewegung verfolgte. Er habe mit gefälschten Studien über angebliche Kinder-Todesfälle durch Covid-Impfungen hantiert und unabhängige Experten durch Sonderausschüsse voller "Spinner" ersetzt, um vorgefasste Meinungen absegnen zu lassen. Die Autor:innenperspektive ist hier eindeutig: Makary wird als jemand dargestellt, dessen Gewissen "zutiefst gebrochen" gewesen sei, auch wenn er in Einzelfällen wie der Vape-Frage Widerstand leistete. Sein Handeln folgte, so der Vorwurf, stets dem MAHA-Drehbuch: "Er konsultierte seine eigenen voreingenommenen Intuitionen und versuchte dann, Beweise zu finden, die mit seinen Ansichten übereinstimmten."
Der zweite Teil des Newsletters zeichnet den schleichenden Machtverlust Kennedys und seiner Agenda nach. Trotz aller Bemühungen blieben Impfungen in der Bevölkerung populär; Umfragen zeigten breite parteiübergreifende Zustimmung. Kennedy, so Berlatsky, sei ein politischer Opportunist ohne tiefe Wurzeln im konservativen Milieu. Seine anti-vet-medizinische Günstlingswirtschaft stoße zunehmend auf den Widerstand republikanischer Senator:innen, die mehrere seiner radikalen Kandidat:innen für Spitzenposten blockierten, darunter David Weldon für die CDC und die Wellness-Influencerin Casey Means ohne medizinische Lizenz. Der Text zitiert Umfragewerte, um zu belegen, dass selbst die MAHA-Basis mehr an Gesundheitskosten als an Impfgegnerschaft interessiert sei, während Trumps Zustimmungswerte in Gesundheitsfragen auf Rekordtiefs sänken. Die Ehe zwischen MAHA und der GOP, so das Fazit, werde zunehmend unbequem.
Einordnung
Berlatskys Text ist eine kenntnisreiche, aber hochgradig meinungsstarke Abrechnung mit der Gesundheitspolitik der Trump-Administration. Als Teil des progressiven "Public Notice"-Projekts schreibt er aus einer klar linksliberalen Perspektive, die Wissenschaftsleugnung und rechte Ideologie vehement bekämpft. Die Analyse blendet jedoch die Sichtweise derjenigen Wähler:innen aus, die aus tiefem Misstrauen gegenüber Big Pharma und staatlichen Institutionen heraus MAHA unterstützen. Diese Perspektive wird im Text nur als irrationales "Schlangenöl"-Phänomen abgetan. Die unausgesprochene Annahme ist, dass die etablierte wissenschaftliche Gemeinschaft eine monolithische und stets vertrauenswürdige Instanz darstellt. Widersprüche und Interessenkonflikte innerhalb der Pharmaindustrie oder der Regulierungsbehörden, die den Nährboden für MAHA bereitet haben, werden kaum problematisiert. Der Frame des "guten", wenn auch machtlosen Wissenschaftlers gegen den "bösen" MAHA-Ideologen vereinfacht die komplexe Gemengelage. Die Agenda des Autors ist klar: die völlige Diskreditierung und das geforderte Ende der MAHA-Bewegung.
Die hohe gesellschaftliche und politische Relevanz des Themas ist unbestritten, da es um die zukünftige Ausrichtung der US-Gesundheitspolitik und das globale Vertrauen in Impfungen geht. Der Newsletter ist für Leser:innen, die bereits eine kritische Haltung gegenüber Trump und Kennedy teilen, eine prägnante und informationsreiche Bestätigung. Für ein ausgewogenes Verständnis der MAHA-Bewegung und ihrer politischen Anziehungskraft ist er jedoch weniger geeignet und sollte mit Vorsicht genossen werden.