Jonathan Sierck, Gründer von Padel-City und Co-Autor einer Biografie von Basketball-Weltmeistertrainer Gordon Herbert, spricht mit Philipp Westermeyer über seinen ungewöhnlichen Werdegang. Ausgangspunkt ist die Frage, wie aus einem Philosophie-Studenten und Seminar-Anbieter der Kopf eines der größten Padel-Unternehmen Deutschlands wurde. Im Gespräch wird Netzwerken als eine Kernkompetenz dargestellt, die auf echter Neugier und der Bereitschaft zu unkonventionellen Aktionen beruhe – etwa handgeschriebenen Briefen an SAP-Gründer Dietmar Hopp. Die Faszination für Hochleistung und die Gestaltung eines „gelungenen Lebens" werden als treibende Motive präsentiert, die Sierck vom Lesen Dostojewskis bis zum Aufbau eines Sportunternehmens geführt hätten.
Zentrale Punkte
- Padel als Community, nicht nur Immobilie Sierck grenze sein Modell von dem bloßen Hinstellen automatisierter Plätze ab. Padel sei ein Lifestyle-Sport, der stark vom Gemeinschaftsgefühl und sozialer Interaktion lebe. Modelle ohne Personal und Community-Management seien seiner Erfahrung nach gescheitert. Deshalb setze Padel-City auf eigene Apps, Trainer:innen und eine aktive Mitgliederbetreuung.
- Netzwerkaufbau durch Leidenschaft und Zufall Der Zugang zu prominenten Mitgründern wie Hansi Flick und Investoren wie Markus Engler sei nicht strategisch geplant, sondern organisch über Buchprojekte und gemeinsame Interessen entstanden. Ein erstes Treffen mit Dietmar Hopp sei über eine kalt akquirierte E-Mail-Adresse zustande gekommen. Entscheidend sei stets das Angebot eines echten Mehrwerts gewesen, nicht die bloße Bitte um Hilfe.
- Skalierung trotz Kapitalintensität Westermeyer hinterfragt die Logik eines Startups, das im Kern Tennishallen betreibt und daher hohe Baukosten habe. Sierck entgegne, dass die frühe Marktführerschaft, der Aufbau einer starken Marke und die dadurch entstehenden Netzwerkeffekte das Geschäft skalierbar machten – trotz der im Vergleich zu reinen Software-Firmen geringeren Margen.
Einordnung
Das Gespräch lotet geschickt die Spannung zwischen dem Bild des visionären Gründers und der Bodenhaftung eines kapitalintensiven Betriebs aus. Philipp Westermeyer gelingt es immer wieder, kritisch nachzufragen, etwa zum tatsächlichen Startup-Charakter und der Verwässerung der Gründeranteile. Dadurch entsteht ein echter Dialog, der sich wohltuend vom reinen PR-Gespräch abhebt. Siercks intellektueller Hintergrund und seine unkonventionelle Laufbahn bieten zudem einen unterhaltsamen Kontrast zum oft formelhaften Gründer-Gespräch.
Allerdings bleibt die Unterhaltung stark in einer individualistischen Leistungserzählung verhaftet. Siercks Weg wird fast ausschließlich als Produkt von persönlichem Fleiß, Lesehunger und Mut dargestellt. Die strukturellen Voraussetzungen – ein Elternhaus, das eine Reise zu Real Madrid ermöglicht, oder die finanziellen Mittel für ein Philosophie-Studium – werden zwar kurz erwähnt, aber nicht als zentrale Ermöglicher des Erfolgs eingeordnet. Die Frage, wessen Begeisterung für einen neuen Sport in welche Bahnen gelenkt wird und wem dieser „Goldrausch" langfristig nützt, bleibt weitgehend außen vor. Hier verharrt das Gespräch in einer Perspektive, die Erfolg als persönliche Leistung und Netzwerke als spontanen Glücksfall versteht und nicht als Reproduktion sozialer Mechanismen. Ein prägendes Zitat von Sierck: Die Frage sei, „bei welchen Sachen fühle ich mich wie lebendig?".
Hörempfehlung: Hörenswert für alle, die verstehen wollen, wie Beziehungsaufbau und strategische Positionierung in einem aufstrebenden, aber kapitalintensiven Nischenmarkt funktionieren.
Sprecher:innen
- Jonathan Sierck – Co-Gründer und operativer Geschäftsführer von Padel-City, ehemaliger Unternehmer im Bildungsbereich und Autor.
- Philipp Westermeyer – Host des OMR Podcasts und Gründer der gleichnamigen Marketing-Plattform.