Die Magazinsendung von Radio Dreyeckland verhandelt drei sehr unterschiedliche lokale Themen. Der Schwerpunkt liegt auf einem Gerichtsfall: Die fristlose Kündigung der langjährigen Personalchefin der Universität Freiburg, Ursula Seelhorst, wird als Bauernopfer für strukturelles Versagen dargestellt. Die Universität habe versucht, die politische Verantwortung für einen Überwachungsskandal auf eine Einzelperson abzuwälzen. Im zweiten Beitrag kritisiert der Gemeinderatsbeobachter Michael Mensel die Amtsführung des Freiburger Umweltamts scharf. Dieses betreibe „Fassadenpolitik" und schütze die fossilen Geschäftsinteressen des lokalen Energieversorgers Badenova zulasten einer echten Klimawende. Der Kunstbeitrag stellt mit Rainer Boy einen Künstler vor, der in seinen Werken die Entfremdung und den Kontrollverlust durch die Digitalisierung thematisiert.

Zentrale Punkte

  • Gekündigte Personalchefin als Sündenbock Die Kündigung von Ursula Seelhorst sei ein Versuch der Universitätsleitung, von eigenem Versagen abzulenken. Sie habe mehrfach und transparent über den Verdacht der Videoaufnahmen auf Uni-Toiletten informiert. Das Rektorat und die Kanzlerin trügen die eigentliche Verantwortung, da sie trotz Kenntnis nicht angemessen reagiert hätten.
  • Umweltamt schützt fossile Interessen Das Freiburger Umweltamt unter Klaus von Zahn betreibe systematisch „Fassadenpolitik". Statt erneuerbare Energien zu fördern, schütze es durch Ausschreibungsgestaltung und Anschlusszwänge das Gas- und Fernwärmegeschäft des kommunalen Versorgers Badenova und hintertreibe so aktiv die städtischen Klimaziele, etwa beim Solarausbau.
  • Kunst als Reflexion digitaler Entfremdung Der Künstler Rainer Boy thematisiere in seiner Fotoserie „U-Bilder" die Vereinzelung und Überwachung im digitalen Zeitalter. Die Arbeiten, die in einer Unterführung ausgestellt wurden, zeigten isolierte Menschen, die auf ihre Handys starren und von einer Fadenkreuz-ähnlichen „Überwachungsmaske" erfasst werden.

Einordnung

Die Sendung liefert einen lebendigen Eindruck von lokalen Kontroversen und vereint investigativen Bürgerjournalismus mit klarer politischer Haltung. Der Gerichtsbericht zeichnet sich durch dichte Atmosphäre aus und gibt der Perspektive der Solidargemeinschaft im Saal viel Raum. Die Aussage, dass die Verteidigung der Universität „nicht so gut hinbekommen [habe], sich da in der Öffentlichkeit sozusagen zu punkten", verdeutlicht die starke Fokussierung auf die öffentliche Wahrnehmung des Falls, weniger auf die rein juristische Feinanalyse. Die Glosse zur Energiepolitik ist ein leidenschaftliches, detailreiches Plädoyer, das komplexe Vergabestrukturen und Interessenkonflikte offenlegt.

Die Beiträge sind parteiisch und geben sich als solche zu erkennen („Nachrichten von links unten"). Im ersten Beitrag fehlt die Perspektive der Universitätsleitung fast völlig; deren Argumente werden nur summarisch und als unglaubwürdig abgetan, was journalistische Ausgewogenheit vermissen lässt. Die Glosse verzichtet auf eine Einordnung der Position der Umweltbürgermeisterin oder der Badenova und setzt die Motivlage des Amtschefs als gegeben voraus. Das Interview mit Rainer Boy hingegen ist ein sensibler Austausch, der dem Künstler Raum für eine differenzierte Betrachtung der Digitalisierung lässt und die Ambivalenz des Themas deutlich macht.

Hörempfehlung: Für Zuhörer:innen, die sich für lokale politische Prozesse und eine pointiert meinungsstarke Berichterstattung aus Freiburg interessieren.

Sprecher:innen

  • Kio – Redaktionskolleg:in bei Radio Dreyeckland, führt das Gespräch zum Gerichtsfall.
  • Thomas – RDL-Kollege, berichtet als Beobachter vom Gütetermin vor dem Amtsgericht.
  • Michael Mensel – Gemeinderatsbeobachter für Radio Dreyeckland („Ohr im Gemeinderat"), Autor der Glosse.
  • Rainer Boy – Jahrgang 1967, Fotograf und Künstler, stellt in der Reihe Open Art 26 aus.
  • Off-Stimme – Führt das Interview mit Rainer Boy.