Paul Krugman analysiert in dieser Ausgabe die symbolträchtige Reise von Donald Trump nach China, bei der er eine Reihe von Spitzenmanager:innen mitbrachte, darunter Elon Musk. Krugman, Nobelpreisträger und liberaler Kolumnist, zerlegt argumentativ die Vorstellung, dass das, was diesen Konzernen nützt, automatisch auch den USA dient. Seine Kernbotschaft ist eine scharfe Entkopplung von Unternehmensinteressen und nationalem Interesse.
Krugman beginnt mit einem historischen Vergleich: Früher verstanden sich US-Großkonzerne wie General Motors als „Stakeholder“-Unternehmen, die eine Verantwortung für Arbeiter:innen, Kund:innen und Gemeinwesen trugen. Heute hingegen gehe es rücksichtslos nur noch um die Wertmaximierung für Aktionär:innen. Das sei nicht nur eine Frage der Philosophie, sondern habe handfeste Folgen: „Heute maximieren Unternehmen rücksichtslos den Wert für die Aktionäre, es sei denn, sie tun es für den Gründer, der als Eigentümer betrachtet wird.“ Bei Tesla sei dies offensichtlich, so Krugman, das Unternehmen werde stark in Musks persönlichem Interesse geführt, nicht im Interesse von US-Arbeiter:innen oder der nationalen Sicherheit.
Im nächsten Argumentationsschritt hinterfragt Krugman, wem die Profite dieser Konzerne überhaupt zugutekommen. Etwa 40 Prozent der US-Aktien seien in ausländischem Besitz. Von jedem Dollar Gewinn flössen also 40 Cent ins Ausland. Zudem sei der Aktienbesitz in den USA extrem konzentriert: Der Großteil liege bei den obersten zehn Prozent der Bevölkerung, ein erheblicher Teil sogar nur beim reichsten einen Prozent. Der durchschnittliche US-Bürger:in habe daher kaum etwas von steigenden Aktienkursen. „Eine zusätzliche Milliarde Dollar in den Händen von Elon Musk oder Jensen Huang bringt der großen Mehrheit der Amerikaner:innen nichts“, fasst Krugman trocken zusammen.
Der dritte Kritikpunkt zielt auf den geopolitischen Widerspruch. Firmen wie Nvidia, deren Chef ebenfalls mitreiste, wollen Zugang zum chinesischen Markt und die Freiheit, hochsensible Technologie zu verkaufen. Aus Sicht der nationalen Sicherheit der USA sei dies jedoch genau das, was man eigentlich unterbinden müsse. Krugman spitzt zu: „Was gut für Nvidia ist, ist definitiv nicht gut für Amerika.“ Das private Profitinteresse der Tech-Elite stehe in direktem Konflikt mit dem strategischen Interesse der Nation, den Aufstieg einer unfreundlichen Macht nicht auch noch zu befeuern.
Schließlich wendet sich Krugman den Motiven Trumps zu. Dass auch Trumps Sohn Eric, der die Familiengeschäfte leitet, mit an Bord war, sei ein kaum verhüllter Aufruf zur Bestechung. „Er hätte genauso gut mit einem Schild durch Peking laufen können, auf dem in Großbuchstaben steht: BESTECHT MICH“, kommentiert Krugman bissig. Die gesamte Visite sei daher nicht nur ein demütigendes Schauspiel US-amerikanischer Schwäche gegenüber China, sondern auch ein weiteres spektakuläres Beispiel für die Korruption, die die gesamte Regierungsführung durchdringe.
Einordnung
Krugman argumentiert aus einer klar linksliberalen, keynesianischen Perspektive und verteidigt hier implizit ein altes, reguliertes Kapitalismusmodell gegen den globalisierten Finanzkapitalismus. Sein Framing ist mächtig: Er deutet die Reise nicht als politischen Fehler, sondern als Ausdruck struktureller Korruption, bei der Staatsmacht direkt in private Gewinne umgemünzt wird. Ausgeblendet wird dabei fast vollständig die chinesische Perspektive und deren strategisches Kalkül, die USA durch wirtschaftliche Verflechtung weiter zu schwächen. Unausgesprochen bleibt auch die Annahme, es gebe so etwas wie ein eindeutiges, rein altruistisches „nationales Interesse“, das nie von Partikularinteressen durchdrungen ist.
Die Analyse ist für alle Leser:innen wertvoll, die die ökonomischen Hintergründe politischer Inszenierungen verstehen wollen. Wer eine rein geopolitische oder sicherheitspolitische Analyse der Reise sucht, wird hier nur einen Aspekt finden. Für eine grundsätzliche Debatte über den Einfluss von Milliardär:innen auf die US-Außenpolitik ist die Lektüre jedoch einen kritischen Blick wert. Eine explizite Lesewarnung ist nicht nötig, wohl aber der Hinweis, dass Krugman hier sehr pointiert zuspitzt.