Der deutsche Mittelstand stehe vor einer Nachfolgekrise: Bis 2030 bräuchten knapp 200.000 Unternehmen eine neue Führung, doch immer seltener wollten oder könnten Kinder den Betrieb übernehmen. Die Episode stellt Mitarbeiterübernahmen als möglichen Ausweg vor und begleitet diesen Gedanken von Slowenien über die USA bis nach München. Die Recherche sei getragen von der Annahme, dass Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung erhaltenswert seien – und dass Beschäftigte, die zu Eigentümer:innen werden, produktiver und engagierter arbeiteten. Kritische Stimmen warnten dagegen vor Entscheidungsblockaden, wenn viele Miteigentümer:innen mitreden.

Zentrale Punkte

  • Das Nachfolgeproblem als existenzielle Bedrohung Ohne familieninterne Lösung drohe vielen Mittelständlern die Insolvenz – nicht wegen eines schlechten Geschäftsmodells, sondern weil schlicht niemand bereit sei, das Unternehmen weiterzuführen. Externe Verkäufe könnten Arbeitsplätze gefährden oder Wertschöpfung ins Ausland verlagern.
  • Mitarbeiterübernahme als Win-Win-Win-Modell Firmengründer profitierten, weil ihr Lebenswerk im eigenen Sinne fortgeführt werde. Beschäftigte würden zu Eigentümer:innen ihrer Arbeitsstelle, identifizierten sich stärker mit dem Betrieb und blieben länger. Staaten wiederum behielten Steuereinnahmen und verhinderten den Ausverkauf heimischer Unternehmen an ausländische Investoren.
  • Finanzierung ohne eigenes Kapital als Schlüssel Über Genossenschaften oder Esop-Modelle könnten Belegschaften Firmen auf Kredit kaufen und den Kredit aus künftigen Gewinnen tilgen. Das slowenische Gesetz von 2026 senke die Kapitalkosten zusätzlich durch Steuervorteile – und habe bereits Nachahmer in Dänemark gefunden.

Einordnung

Die Episode liefert eine sorgfältig recherchierte Darstellung eines realen Problems, das oft unter dem Radar der öffentlichen Debatte bleibt. Drei Länderperspektiven, Interviews mit Ökonom:innen, Betroffenen und einem Staatssekretär schaffen ein differenziertes Bild der rechtlichen und praktischen Hürden von Mitarbeiterübernahmen. Besonders wertvoll ist die Einbettung in historische Kontexte – vom jugoslawischen Modell der Arbeiterselbstverwaltung bis zur parteiübergreifenden US-Esop-Gesetzgebung von 1974 –, weil sie zeigt, dass ähnliche Ideen unter völlig verschiedenen politischen Vorzeichen existieren und funktionieren können.

Allerdings bleibt die Perspektive derjenigen Beschäftigten, die einer Übernahme skeptisch gegenüberstehen, blass. Ihre Bedenken werden lediglich durch die Forscherin Nadine Schlimmerlaufen stellvertretend formuliert, nicht aber von Betroffenen selbst geschildert. Auch die Frage, welche Mitarbeiter:innen in prekären Beschäftigungsverhältnissen oder ohne finanzielle Polster von solchen Modellen ausgeschlossen bleiben, wird nicht gestellt. Stattdessen dominiert die Sichtweise, dass Mitarbeiterbeteiligung per se zu höherer Identifikation führe – eine Annahme, die zwar durch Jerome Warrens Verweis auf geringere Krankmeldungen und Diebstähle gestützt, aber nicht kritisch auf ihre Übertragbarkeit geprüft wird. Die Rahmung als „Win-Win-Win" übernimmt implizit eine Logik, in der das langfristige Überleben des Unternehmens und der Erhalt von Arbeitsplätzen automatisch zusammenfallen – Konflikte zwischen beiden Zielen, etwa bei notwendigen Entlassungen, werden lediglich angerissen.

Sprecher:innen

  • Jerome Warren – Ökonom, Institut für Unternehmensdemokratie, Frankfurt
  • Nadine Schlimmerlaufen – Forscherin, Institut für Mittelstandsforschung (IfM), Bonn
  • Igor Feketia – Slowenischer Staatssekretär, Mitautor des Employee Ownership Cooperative Act
  • Sophia Brett – Wirtschaftsinformatikerin, Mitarbeiterin bei Iteratech, München
  • Mark Görke – Mathematiker, Mitgründer von Iteratech
  • Lubischer Kitich – Ingenieur, Mitarbeiter bei Inea, Ljubljana
  • Peter Corsin – CEO von Inea, Ljubljana
  • Tay Gonza – Ökonom, Institut für Wirtschaftsdemokratie, Ljubljana
  • Bartolomeus Laffert – Sprecher und Co-Autor der Episode