Im Rahmen der isländischen Kulturnacht laden Halla Harðardóttir und Melorka Ólafsdóttir zu einem bunten Gespräche-Mix: Die Theaterflocken Birta Sól Guðbrandsdóttir und Aldís Ósk Davídsdóttir erzählen, wie ihr Absolventen-Stück „40.000 feet“ – eine absurde Komödie über Flugbegleiterinnen – die Gender-Rollen in Island auf die Szücke legen. Eydís Evensen, ehemalige Model-Elite, erklärt, warum sie nach acht Jahren im Auswandern zurück in die isländische Natur geflohen ist und dort ihre neue Album „Oceanic Mirror“ um Lebenszyklus und Verluste schreibt. Zuletzt erklären Björk Guðmundsdóttir und Diljá Nanna Guðmundsdódóttir von Improv Iceland, warum Improvisation „das lebendigste Theaterformat“ sei und wie sie auf der Kulturnacht sechs Stunden non-stop Spunamarathon veranstalten wollen.

1. Flugbegleiterinnen als Spiegel gesellschaftlicher Rollen

Das Theaterstück „40.000 feet“ wolle zeigen, „was es heute bedeutet, eine junge isländische Frau in der Gesellschaft zu sein“, sagt Aldís Ósk Davísdóttir. Dabei nutzen die beiden Autorinnen die Enge eines Flugzeugs, um „Genderrollen und Machtstrukturen“ zu entlarven. „Wir gehen extrem in die Stereotype, aber wir machen das auf der Grundlage von Humor“, fügt Birta Sól Guðbrandsdóttir hinzu.

2. Eydís Evensen: Vom Model zurück zur Natur

Die Musikerin erzählt, wie sie mit 19 Jahren spontan nach London zog, acht Jahre in New York und London lebte und erst nach einem Lockdown zurück nach Island floh: „Ich wusste gar nicht, wie sehr ich Island vermisst habe, bevor ich wieder zurückkam.“ Dort entsteht ihr Album „Oceanic Mirror“, das „von der Natur und dem Kreislauf des Lebens“ handelt.

3. Improvisation als „längstes lebendigstes Theaterformat“

Björk Guðmundsdóttir beschreibt Improvisation als „unglaublich viel Freiheit“ und „eine Art spirituelles Ventil“. Die Grundregel: „Du sagst nie nein zu einer Idee, die dir angeboten wird.“ Diese Haltung soll auch im Alltag helfen, „offen für neue Ideen zu bleiben“.

4. Improv-Island feiert 10 Jahre mit Spunamarathon

Sechs Stunden non-stop Improvisation, jede halbe Stunde neue Akteure und neue Zuschauer: „Es ist immer wieder ein Schock, wie viele Menschen warten, um reinzukommen“, sagt Diljá Nanna Guðmundsdóttir. Die Kulturnacht biete „eine perfekte Gelegenheit, die Szene zu erleben und gleichzeitig zu entspannen“.

Einordnung

Die Sendung versteht sich als offenes Format für isländische Kulturschaffende, das mit sanftem Ton und viel Humor über Theater, Musik und Improvisation spricht. Die Moderation von Halla Harðardóttir und Melorka Ólafsdódósdóttir ist respektvoll und neugierig, ohne Experten:innen zu sein. Die Gespräche mit den Theaterflocken, der Musikerin und den Improv-Akteuren verbinden persönliche Geschichten mit gesellschaftlichen Fragen wie Genderrollen und Heimatfinden. Die Rolle der Medien bleibt dabei immer transparent: Es geht um das Erzählen von Erfahrungen, nicht um die Aufklärung von Fakten. Die Folge zeigt, wie Kultur in Island klein, aber lebendig ist – und wie wichtig es ist, sich gegenseitig zu supporten. Wer isländische Kultur aus erster Hand erleben möchte, ist hier genau richtig.